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aegypten

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 ==== - VG Düsseldorf, Urteil vom 25. Juli 2019, 12 K 3061/19.A ==== ==== - VG Düsseldorf, Urteil vom 25. Juli 2019, 12 K 3061/19.A ====
  
->I. Koptisch-orthodoxen Christen droht in Ägypten keine Gruppenverfolgung. Eine Gruppenverfolgung liegt vor, wenn entweder sichere Anhaltspunkte für ein an asylerhebliche Merkmale anknüpfendes staatliches Verfolgungsprogramm vorliegen, dessen Umsetzung +>I. Koptisch-orthodoxen Christen droht in Ägypten keine Gruppenverfolgung. Eine Gruppenverfolgung liegt vor, wenn entweder sichere Anhaltspunkte für ein an asylerhebliche Merkmale anknüpfendes staatliches Verfolgungsprogramm vorliegen, dessen Umsetzung bereits eingeleitet ist oder unmittelbar bevorsteht, oder wenn die Übergriffe, von denen Angehörige einer Gruppe in Anknüpfung an ein asylerhebliches Merkmal getroffen werden, so zahlreich sind, dass für jedes Gruppenmitglied begründete Furcht besteht, in eigener Person Opfer von Übergriffen zu werden.
-bereits eingeleitet ist oder unmittelbar bevorsteht, oder wenn die Übergriffe, von denen Angehörige einer Gruppe in Anknüpfung an ein asylerhebliches Merkmal getroffen werden, so zahlreich sind, dass für jedes Gruppenmitglied begründete Furcht besteht, in eigener Person Opfer von Übergriffen zu werden.+
 > >
 > Vgl. BVerwG, Beschluss vom 5, April 2011 - 10 B 11/11 -, juris, Rn. 3; Urteile vom 21, April 2009 -10011/08 -, juris, Rn. 13, und vom 5. Juli 1994 - 9 C 158/94 -, juris, Rn. 17 ff., OVG NRW, Beschluss vom 20. April 2015 - 16 A 688/14.A -, juris, Rn. 10. > Vgl. BVerwG, Beschluss vom 5, April 2011 - 10 B 11/11 -, juris, Rn. 3; Urteile vom 21, April 2009 -10011/08 -, juris, Rn. 13, und vom 5. Juli 1994 - 9 C 158/94 -, juris, Rn. 17 ff., OVG NRW, Beschluss vom 20. April 2015 - 16 A 688/14.A -, juris, Rn. 10.
 > >
->Diese Voraussetzungen sind für die in Ägypten lebenden koptisch-orthodoxen Christen +>Diese Voraussetzungen sind für die in Ägypten lebenden koptisch-orthodoxen Christen nicht erfüllt. Dem Gericht liegen nach der aktuellen Erkenntnislage keine Hinweise auf ein die koptisch-orthodoxen Christen als Gruppe betreffendes staatliches Verfolgungsprogramm vor. 
-nicht erfüllt. Dem Gericht liegen nach der aktuellen Erkenntnislage keine Hinweise auf ein +
-die koptisch-oıthodoxen Christen als Gruppe betreffendes staatliches Verfolgungspro- +>Vgl. Auswärtiges Amt, Bericht über die asyl- und abschieberelevante Lage in Ägypten vom 14. April 2018 (Stand: März 2018), Seite 7 f. 
-gramm vor. +
-Vgl. Auswärtiges Amt, Bericht über die asyl- und abschieberelevante Lage in Ägypten vom +>Angesichts der Zahl der (noch) in Ägypten lebenden koptisch-orthodoxen Christen wird die für die Annahme einer Gruppenverfolgung erforderliche Verfolgungsdichte nicht erreicht, denn der Anteil der Christen an der ägyptischen Gesamtbevölkerung beträgt je nach Quelle zwischen 5 und 12 %. 
-14. April 2018 (Stand: März 2018), Seite 7 f. +
-Angesichts der Zahl der (noch) in Ägypten lebenden koptisch-onhodoxen Christen wird die +>Vgl. zu den sehr unterschiedlichen Zahlen: Auswärtiges Amt, Länderinformation Ägypten (Stand Februar 2017), abrufbar unter http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/01-Laender/Aegypten.html; BAMF, lnformationszentrum Asyl und Migration; Ägypten - Die koptisch-orthodoxe Kirche, September 2012, Seite 1 f. 
-für die Annahme einer Gruppenverfolgung erforderliche Verfolgungsdichte nicht erreicht, +
-denn der Anteil der Christen an der ägyptischen Gesamtbevölkerung beträgt je nach Quel- +>Es kann vor diesem Hintergrund nicht festgestellt werden, dass Übergriffe auf koptisch-orthodoxe Christen so zahlreich wären, dass für jeden Angehörigen dieser Religionsgemeinschaft begründete Furcht bestünde, in eigener Person Opfer von Übergriffen zu werden. 
-le zwischen 5 und 12 %. +
-Vgl. zu den sehr unterschiedlichen Zahlen: Auswärtiges Amt, Länderinformation Ägypten (Stand Feb- +>Ständige Rechtsprechung, vgl. OVG NRW, Beschluss vom 17. Juli 2014 - 11 A 1935/12.A -, juris, Rn. 14; VG Düsseldorf, Urteil vorn 3. Juli 2017 - 12 K 463/16.A - und Beschluss vorn 24. März 2016 - 11 L 508/16A -, VG Gelsenkirchen, Urteil vorn 14, Oktober 2015 - 7a K 1514/14.A -, juris, Rn. 23 ff., VG Minden, Urteil vorn 2. Dezember 2014 - 10 K 777/14.A -, juris, Rn. 15 ff. 
-ruar 2017), abrufbar unter http://www. auswaertiges- +
-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/01-Laender/Aeoyptenhtml; BAMF, lnformationszent- +>II. Die Kläger haben aber aufgrund ihres individuellen Verfolgungsschicksals einen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäß § 3 Abs. 4 i.V.m. Abs. 1 AsylG. >[...] 
-rum Asyl und Migration; Ägypten - Die koptisch-orthodoxe Kirche, September 2012, Seite 1 f. +> 
-Es kann vor diesem Hintergrund nicht festgestellt werden, dass Übergriffe auf kop- +>Ausgehend von diesen Grundsätzen liegen die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft in der Person der Kläger vor. Es steht zur Überzeugung des Gerichts fest, dass die Kläger sich aus begründeter Furcht vor Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure wegen ihrer Religion außerhalb ihres Herkunftslandes aufhalten. 
-tisch-oıthodoxe Christen so zahlreich wären, dass für jeden Angehörigen dieser Religi- +
- +>Das Gericht geht hierbei von folgendem Sachverhalt aus: Der Kläger zu 1. wurde mehrfach an seinem Arbeitsplatz wegen seines christlichen Glaubens diskriminiert und schließlich entlassen. Die Klägerin zu 2. wurde von Muslimen wegen ihres christlichen Glaubens sexuell bedrängt, ohne dass sie sich hätte wehren können. Zudem haben die Kläger mehrfach Beschimpfungen und Bedrohungen wegen des Besuchs des Gottesdienstes erlitten. 
- +
- +>Dieser Sachverhalt steht aufgrund der Anhörung der Kläger zur Überzeugung des Gerichts fest. Die Kläger haben ihr Verfolgungsschicksal ausführlich, detailreich und ohne Widersprüche zu ihrem vorherigen Vorbringen geschildert. An der Glaubwürdigkeit der Kläger hat das Gericht keine Zweifel. Sie haben auch nachvollziehbar berichtet, dass sich die flüchtlingsschutzrechtlich hinreichend schweren Eingriffe auf ihre Zugehörigkeit zum koptisch-orthodoxen Glauben bezogen. 
-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S /Z6 +
-+>Die Schilderungen der Kläger decken sich mit den in das Verfahren eingeführten Erkenntnissen des Gerichts bezüglich der Situation koptisch-orthodoxer Christen in Ägypten zum Zeitpunkt der Ausreise der Kläger im Jahr 2008. Bereits damals war eine starke Zunahme der Angriffe auf koptisch-orthodoxe Christen und deren Gotteshäuser festzustellen. 
-onsgemeinschaft begründete Furcht bestünde, in eigener Person Opfer von Übergriffen zu +
-werden. +>Vgl. auch die ausführliche Darstellung bei Boochs, Die Kopten - „Kirche der Märtyrer, Seite 111 ff. 
-Ständige Rechtsprechung, vgl. OVG NRW, Beschluss vorn 17. Juli 2014 - 11 A 1935/12.A -, juris, +
-Rn. 14; VG Düsseldorf, Urteil vorn 3. Juli 2017 - 12 K 463/16.A - und Beschluss vorn 24. März 2016 +>Seit der Machtübernahme von Präsident Mursi im Juni 2012 wurden in Ägypten 25 Kirchen angegriffen, insgesamt 59 Kopten starben bei gewaltsamen Ausschreitungen. Bei religiösen Unruhen in el-Khousous in der Provinz al-Qualyubiyya Anfang April 2013 kamen fünf koptische Christen ums Leben. Bei dem anschließenden Begräbnis kam es erneut zu gewaltsamen Ausschreitungen, zwei weitere Tote waren zu verzeichnen. 
-- 11 L 508/16A -, VG Gelsenkirchen, Urteil vorn 14, Oktober 2015 - 7a K 1514/14.A -, juris, Rn. 23 ff., +
-VG Minden, Urteil vorn 2. Dezember 2014 - 10 K 777/14.A-, juris, Rn. 15 ff. +>Vgl. Boochs, Die Kopten - „Kirche der Märtyrer, Seite 117 ff.; Internationale Gesellschaft für MenschenrechteÄgypten: Fatwa verbietet Ostergrüße an Christen vom 6. Mai 2013, abrufbar unter https://www.igfm.de/ne/?tx_ttnews%255Btt_news%255D=2695&cHash=b8108508902e29fde6507d17ec7625c8. 
-ll. Die Kläger haben aber aufgrund ihres individuellen Verfolgungsschicksals einen An- +> 
-spruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäß § 3 Abs. 4 i.V.m. Abs. 1 AsylG. +>Streitigkeiten zwischen Clans verschiedener Konfessionen führten in den ärmeren Regionen Ägyptens immer wieder zu Gewalt. Manchmal reichte auch ein Gerücht aus, um die Spannungen zum Eskalieren zu bringen. Radikalislamische Prediger und Hetzer schienen seit dem Sturz Hosni Mubaraks ihren Einfluss ungehindert auszuweiten, da die regierenden Islamisten davor zurückschreckten, sich mit ihnen anzulegen. 
-Nach dieser Vorschrift wird einem Ausländer, der Flüchtling nach § 3 Abs1 AsylG ist, die +
-Flüchtlingseigenschaft zuerkannt, es sei denn, er erfüllt die Voraussetzungen des § 60 +>Vgl. Spiegel Online vom 6. April 2013: Tote bei Kämpfen zwischen Muslimen und Christen, abrufbar unter http://www.spiegel.de/politik/ausland/gewalt-in-aegypten-fuenf-menschen-sterben-bei-attacke-auf-christen-a-892912.html; Neue Zürcher Zeitung vom 3Mai 2013: Gewalt gegen Christen am Nil, abrufbar unter https://www.nzz.ch/die-kopten-wehren-sich-fuer-ihre-rechte-1.18075175weiterführend Boochs, Die Kopten -"Kirche der Märtyrer", Seite 124 ff. 
-Abs8 Satz 1 AufenthG oder das Bundesamt hat nach § 60 Abs8 Satz 3 AufenthG von +> 
-der Anwendung des § 60 Abs. 1 AufenthG abgesehen. Ein Ausländer ist gemäß § 3 +>Die Verfolgung der Kläger ging auch von Verfolgungsakteuren im Sinne von § 3c AsylG aus. Es steht zur Überzeugung des Gerichts fest, dass die Kläger einer Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure ausgesetzt waren. Sie wurden wegen ihres Glaubens wiederholt bedroht und erpresst. Es steht zur Überzeugung des Gerichts fest, dass der ägyptische Staat jedenfalls nicht in der Lage war, die Kläger zu schützen. Andere schutzfähige und -bereite Organisationen sind nicht ersichtlich. 
-Abs. 1 AsylG Flüchtling im Sinne des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstel- +
-lung der Flüchtlinge - Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) -, wenn er sich aus begründe- +>Vgl. VG Düsseldorf, Urteil vom 3. Juli 2017 - 12 K 463/16.A -, juris; VG Minden, Urteil vom 13, März 2018 - 10 K 955/16.A -, juris. 
-ter Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeu- +
-gung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe außerhalb des Landes +>Die Vorverfolgung der Kläger begründet die gesetzliche Vermutung dafür, dass diese Verfolgung sich bei Rückkehr in den Herkunftsstaat wiederholt. 
-(Herkunftsland) befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt und dessen Schutz er +
-nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht nicht in Anspruch nehmen will +>Es steht dabei zur Überzeugung des Gerichts fest, dass die Glaubenspraxis für die Kläger ein zentrales Element ihrer religiösen Identität und in diesem Sinne für sie unverzichtbar ist. Die Kläger haben glaubhaft geschildert, dass sie in Ägypten als koptisch-orthodoxe Christen gelebt haben und ihren christlichen Glauben auch in Deutschland leben und regelmäßig den Gottesdienst besuchen. Die Kläger sind dort auch ehrenamtlich tätig. 
-oder in dem er als Staatenloser seinen vorherigen gewöhnlichen Aufenthalt hatte und in +
-das er nicht zurückkehren kann oder wegen dieser Furcht nicht zurückkehren will. +>Nach dem oben dargestellten Maßstab der beachtlichen Wahrscheinlichkeit besteht gemäß Art. 4 Abs. 4 QRL eine tatsächliche Vermutung dafür, dass sich frühere Handlungen und Bedrohungen bei einer Rückkehr in das Herkunftsland wiederholen werden. Diese Vermutung ist im vorliegenden Fall nicht widerlegt. 
-Als Verfolgung im Sinne des§ 3 Abs. 1 AsylG gelten nach § 3a Abs. 1 AsylG Handlungen, +
-die 1. auf Grund ihrer Aıt oder Wiederholung so gravierend sind, dass sie eine schwerwie- +>Vgl. zu den Anforderung an eine Widerlegung der Vermutung im Einzelnen: VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 3. November 2016 - A 9 S 303/15 -, juris, Rn. 35. 
-gende Verletzung der grundlegenden Menschenrechte darstellen, insbesondere der Rech- +
-te, von denen nach Aıt. 15 Abs. 2 EMRK keine Abweichung zulässig ist, oder 2. in einer +>Es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass eine Verfolgung der Kläger sich im Falle ihrer Rückkehr nicht wiederholen würde. Im Gegenteil: Es steht auf Grundlage der aktuellen, in das Verfahren eingeführten Erkenntnisse zur Überzeugung des Gerichts fest, dass die Zahl der nichtstaatlichen Gewaltakte gegen koptisch-orthodoxe Christen seit der Ausreise der Kläger bis zum Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung nochmals stark zugenommen hat. 
-Kumulierung unterschiedlicher Maßnahmen, einschließlich einer Verletzung der Men- +
-schenrechte, bestehen, die so gravierend ist, dass eine Person davon in ähnlicherwie der +>Das Auswärtige Amt führt in seinem aktuellen Lagebericht aus: 
-in Nr. 1 beschriebenen Weise betroffen ist. Nach § 3a Abs. 2 AsylG können als Verfolgung +
-im Sinne des § 3a Abs. 1 AsylVfG unter anderem die folgenden Handlungen gelten: die +>Kopten, die etwa 10% der ägyptischen Gesellschaft ausmachen und in ihrer Eigenwahrnehmung keine Minderheit darstellen, sind Opfer vielfacher Diskriminierungen, die oft auch in Gewalt münden. Insbesondere während der Welle der Gewalt im August 2013, die seit Mai 2016 wieder aufflammte, wurden koptische Kirchen attackiert und Christen ermordet. Die Sicherheitskräfte griffen kaum zu ihrem Schutz ein. [...] 
-Anwendung physischer oder psychischer Gewalt, einschließlich sexueller Gewalt (Nr. 1), +
-gesetzliche, administrative, polizeiliche oder justizielle Maßnahmen, die als solche diskri- +>2015 wurden einzelne christliche Kirchen angegriffen und [wurde] Eigentum von Kopten zerstört. Besonders in Oberägypten kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, deren Ursache häufig in Streitigkeiten auf lokaler Ebene liegen. Traditionelle Vorstellungen von (Blut-)Rache und (kollektiver) Vergeltung sind in den ländlichen Gebieten Oberägyptens nach wie vor vor herrschend. Traditionelle Streitschlichtungsmechanismen spielen auch aufgrund der Abwesenheit funktionierender staatlicher Institutionen eine große Rolle. Dabei kommt es regelmäßig zu strukturellen Benachteiligungen der Christen. Im Mai 2016 flammte die Gewalt gegen Christen wieder neu auf, was zu einer öffentlichen Debatte über das Thema und zur Verabschiedung des umstrittenen Gesetzes über den Kirchenbau führte. 
-minierend sind oder in diskriminierender Weise angewandt werden (Nr. 2), unverhältnis- +
-mäßige oder diskriminierende Strafverfolgung oder Bestrafung (Nr. 3), Verweigerung ge- +>Vgl. Auswärtiges Amt, Bericht über die asyl- und abschieberelevante Lage in Ägypten vom 14. April 2018 (Stand: März 2018), Seite 7f. 
-richtlichen Rechtsschutzes mit dem Ergebnis einer unverhältnismäßigen oder diskriminie- +
-renden Bestrafung (Nr. 4), Strafverfolgung oder Bestrafung wegen Verweigerung des Mili- +>Das Auswärtige Amt führt in seiner Auskunft an das Gericht weiter aus: 
-tärdienstes in einem Konflikt, wenn der Militärdienst Verbrechen oder Handlungen umfas- +
-sen würde, die unter die Ausschlussklauseln des § 3 Abs. 2 AsylG fallen (Nr. 5), Handlun- +>Koptisch-orthodoxe Christen, die mit ca. 10% der Bevölkerung die größte religiöse Minderheit im Land sind, leiden seit jeher unter struktureller Diskriminierung, die schon unter Vorgängerregierungen demselben Muster wie heute folgte. Seit Mai 2016 hat sich die Gewalt gegen Kopten in Oberägypten deutlich intensiviert und damit einen negativen Höhepunkt während der Amtszeit Al-Sisis erreicht. Die Mehrzahl der Übergriffe stand im Zusammenhang mit Kirchenbau. Andere Auslöser für Gewalt gegen Kopten sind private Auseinandersetzungen, die im Laufe des Konfliktes eine religiöse Dimension annehmen sowie unerwünschte romantische bzw. sexuelle Beziehungen zwischen Muslimen und Kopten. 
-gen, die an die Geschlechtszugehörigkeit anknüpfen oder gegen Kinder gerichtet sind (Nr. +
-6). Nach § 3a Abs. 3 AsylG muss dabei zwischen den Verfolgungsgründen und den als +>Vgl. Auswärtiges Amt, Auskunft an das VG Düsseldorf vom 20. Januar 2017
-Verfolgung eingestuften Handlungen oder dem Fehlen von Schutz vor solchen Handlun- +> 
-gen eine Verknüpfung bestehen. Der Charakter einer Verfolgungshandlung erfordert, dass +>Die staatlichen Behörden greifen häufig nur unzureichend oder gar nicht zum Schutz bedrohter Christen ein. 
-das Verhalten des betreffenden Akteurs im Sinne einer objektiven Gerichtetheit auf die +
-Verletzung eines nach § 3a AsylG geschützten Rechtsguts selbst zielt. +>Vgl. Auswärtiges Amt, Auskunft vom 5. Januar 2017 an das VG Köln, sowie Bericht über die asyl- und abschieberelevante Lage in Agypten vom 14. April 2018, Seite 7 f., 11. 
- +
- +>Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Informationszentrum Asyl und Migration führt aus: 
- +
-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 10/26 +>Anschläge am Palmsonntag 
-+
-Vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 3. November 2016 - A 9 S 303/15 -, juris, Rn. 30 f. m.w.N. +>Bei zwei Bombenanschlägen auf Gottesdienste von Kopten zur Feier des Beginns der Karwoche starben am 09.04.17 in der Kirche St. Georg in der nordägyptischen Stadt Tanta mindestens 27, in der St.-Markus-Kathedrale in Alexandria mindestens 17 Menschen. Insgesamt etwa 120 Menschen wurden verletzt. Der IS bekannte sich zu den Taten und drohte mit weiterer Gewalt gegen Christen. Präsident al-Sisi kündigte die Verhängung des Ausnahmezustandes für drei Monate an, sobald die erforderlichen verfassungsrechtlichen Schritte, wie die Zustimmung des Parlaments, vollzogen seien. Zuvor hatte er den sofortigen landesweiten Einsatz von Armeeeinheiten zur Unterstützung der Polizei angeordnet. Koptische Christen protestierten nach den Anschlägen gegen die Regierung, weil sie sich nicht gut genug geschützt fühlen. 
-Eine Verfolgung im Sinne von § 3a Abs. 1 AsylG kann auch bei einer schweıwiegenden +
-Verletzung des in Art. 10 Abs. 1 EU-Grundrechte-Charta (GR-Chana) verankenen Rech- +>Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Informationszentrum Asyl und Migration, Briefing Notes vom 10 April 2017. 
-tes auf Religionsfreiheit vorliegen. +
-Vgl. EuGH, Urteil vom 5. September 2012 - C-71/11 und C-99/11 -, juris, Rn. 59 ff., BVerwG, Urteil +>Schusswechsel vor Kloster im Sinai 
-vom 20. Februar 2013 - 10 G 23/12 -, juris, Rn. 23 ff., Sächsisches OVG, Urteil vom +
-18. September 2014 - A 1 A 348/13 -, juris, Rn. 39, VG Würzburg, Urteil vom 30. September 2016 +>An einem Kontrollpunkt an der Straße vor dem griechisch-orthodoxen Katharinenkloster im Süden der Sinai-Halbinsel eröffneten am 18.04.17 Angreifer das Feuer auf Sicherheitskräfte. Mindestens ein Polizist kam ums Leben, drei weitere wurden nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums verletzt. Zu der Tat bekannte sich der IS. Einem Sprecher des Klosters zufolge sollen die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt werden. Eine unmittelbare Gefährdung der Mönche bestehe nicht. Die Fahndung nach dem Täter, die mit Unterstützung örtlicher Beduinen erfolgt sei, habe zu einem Verdächtigen geführt. Als dieser damit gedroht habe, eine Sprengweste zur Explosion zu bringen, sei er von der Polizei erschossen worden. Seit seiner Gründung im 6. Jh. werde das Kloster von örtlichen Beduinen geschützt, die den Auftrag hierzu vom römischen Kaiser Justinian erhalten hätten. 
--W1 K 16.3108? -, juris, Rn. 17ff. m,w.N. +
-Nach Art. 10 Abs. 1 GR-Chaıta hat jede Person das Recht auf Gedanken-, Gewissens- +>Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Informationszentrum Asyl und Migration, Briefing Notes vom 24. April 2017. 
-und Religionsfreiheit. Dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder Weltan- +
-schauung zu wechseln, und die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung einzeln oder +>Amnesty International führt aus: 
-gemeinsam mit anderen öffentlich oder privat durch Gottesdienst, Unterricht, Bräuche und +
-Riten zu bekennen. +>Religiöse Minderheiten wie koptische Christen, Schiiten und Baha'i wurden weiterhin durch Gesetze diskriminiert und bei der Ausübung ihrer Religion eingeschränkt. Außerdem waren sie nicht ausreichend gegen Gewalt geschützt. 
-Handlungen, die eine schwenNiegende Verletzung der Religionsfreiheit im Sinne von § 3a +
-Abs. 1 Nr. 1 AsylG darstellen können, sind nicht nur gravierende Eingriffe in die Freiheit +>Es kam erneut zu gewaltsamen Angriffen auf Gemeinden koptischer Christen. Am 11. Dezember 2016 starben 27 Menschen bei einem Bombenattentat auf eine Kirche in Kairo. Die bewaffnete Gruppe islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff für sich, während die Behörden eine "Terrorzelle" mit mutmaßlichen Verbindungen zur Muslimbruderschaft dafür verantwortlich machten. 
-des Betroffenen, seinen Glauben im privaten Rahmen zu praktizieren, sondern auch sol- +
-che in seine Freiheit, diesen Glauben öffentlich zu leben. +>Vgl. Amnesty International, Amnesty Report 2017: Ägypten, abrufbar unter https://www.amnesty.de/jahresbericht/2017/aegypten#section-11783. 
-Vgl. EuGH, Urteil vom 5. September 2012 - C-71/11 und C-99/11 -, juris, Rn. 62 f., BVerwG, Urteil +
-vom 20. Februar 2013 - 10 C 23/12 -, juris, Rn. 24 m.w.N; Sächsisches OVG, Urteil vom +>Dıe Süddeutsche Zeitung berichtet: 
-18, September 2014 - A 1 A 348/13 -, juris, Rn. 39; VG Würzburg, Urteil vom 30. September 2016 +
--W1 K 1631087 -, juris, Rn. 17ff. m.w.N. +>Bei einem Angriff bewaffneter Männer auf einen Bus mit koptischen Christen sind im Mai 2017 in Ägypten mindestens 29 Menschen getötet worden. Es gab zudem Dutzende Verletzte. Das Staatsfernsehen berichtete, Bewaffnete hätten den Bus südlich der Hauptstadt Kairo in der Nähe der Stadt Al-Minja angegriffen. Den Angaben zufolge waren die Opfer auf dem Weg zu einem Kloster. Bei den Angreifern handelte es sich laut Augenzeugenberichten um acht bis zehn Attentäter in Militäruniformen. Die Terrormiliz Islamischer Staat“ beanspruchte die Täterschaft für sich. 
-Ein hinreichend schwerer Eingriff in die Religionsfreiheit setzt nicht voraus, dass der Aus- +
-länder seinen Glauben nach Rückkehr in sein Herkunftsland tatsächlich in einer Weise +>Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 26. Mai 2017: Mindestens 29 Tote bei Angriff auf koptische Christen in Ägypten, abrufbar unter http://www.sueddeutsche.de/politik/eil-mindestens-tote-bei-angriff-auf-koptische-christen-in-aegypten-1.3522326?source=rss. 
-ausübt, die ihn der Gefahr der Verfolgung aussetzt. Vielmehr kann bereits der unter dem +
-Druck der Verfolgungsgefahr erzwungene Verzicht auf die Glaubensbetätigung die Quali- +>Human Rights Watch fasst die Entwicklung seit dem Jahr 2016 wie folgt zusammen: 
-tät einer Verfolgung erreichen. +
-Vgl. BVerwG, Urteil vom 20. Februar 2013 - 10 C 23/12 -, juris, Rn. 26; Sächsisches OVG, Urteil vom +>Seit Anfang 2016 wurden koptische Christen in Ägypten wiederholt Angriffen ausgesetzt, insbesondere in den südlichen Gouvernements im als Mittel- und Oberägypten bekannten Landesteil. Im Mai griff im Gouvernement al-Minya eine Menschenmenge das Haus eines Christen an, dem eine Affäre mit einer verheirateten Muslimin nachgesagt wurde. Die Menge zerstörte das Haus und zerrte die Mutter des Mannes, die 70-jährige Suad Thabet auf die Straße, entkleideten sie und schlugen ihren Ehemann und ihren Nachbarn. 
-18, September 2014 - A1 A 348/13 -, juris, Rn. 39 +
-Die Beuıteilung, wann eine Verletzung der Religionsfreiheit die erforderliche Schwere auf- +>Der Staat baute Thabets Haus wieder auf. Doch lokale Behörden zwangen ihre Familie, das Dorf zu verlassen. Obwohl Thabet unter Druck gesetzt wurde, einer landesüblichen "Versöhnungs“-Sitzung mit ihren Angreifern zuzustimmen, wandte sich Thabet an die Staatsanwaltschaft. 
-weist, um die Voraussetzungen einer Verfolgungshandlung im Sinne von § 3a Abs. 1 Nr. 1 +
-AsylG zu erfüllen, hängt von objektiven wie auch subjektiven Gesichtspunkten ab. Objekti- +>Eine im Juni auf Youtube gezeigte Videoaufnahme aus einem Dorf im westlichen Einzugsgebiet von Alexandria zeigte eine Menschenmenge, die auf den Straßen „Wir möchten keine Kirche“ skandierte. Die Menge griff Christen und ein Nachbargebäude einer Kirche an, von der die Angreifer behaupteten, dass dort Gottesdienste stattfänden. Ein anderes im Juli herausgekommenes Video zeigte eine Menschenmenge beim Angriff koptischer Gebäude in Al-Fashn, einem Dorf im Gouvernement Bani Suwaif nördlich von Al-Minya, nachdem ähnliche Anschuldigungen, dass Christen ein Gebäude zum Beten nützten, erhoben worden waren. 
-ve Gesichtspunkte sind insbesondere die Schwere der dem Ausländer bei Ausübung sei- +
-ner Religion drohenden Verletzung anderer Rechtsgüter wie z.B. Leib und Leben. Die er- +>Ende Juni und Mitte Juli zerstörten Menschenmengen vier koptische Häuser in Al-Minya sowie sechs Gebäude, darunter einen Kindergarten, nachdem muslimische Nachbarn behauptet hatten, dass Christen vorhätten, die Häuser als Kirchen zu nutzen. 
-forderliche Schwere kann insbesondere dann erreicht sein, wenn dem Ausländer durch die +
-Teilnahme an religiösen Riten in der Öffentlichkeit die Gefahr droht, an Leib, Leben oder +>Im Juli wurden die Familien von zwei Priestern in Al-Minya mit Messern und Knüppeln angegriffen, wobei ein 27-jähriger Mann getötet und drei weitere Personen verletzt wurden. Ahram Online zufolge hieß es in lokalen Medienberichten, dass dem Angriff ein Streit zwischen muslimischen und christlichen Kindern darüber, wer zuerst durch die Straße laufe dürfe, vorausgegangen sei. 
-Freiheit verletzt, strafrechtlich verfolgt oder einer unmenschlichen oder erniedrigenden +> 
-Behandlung oder Bestrafung untenıvorfen zu werden. Bei strafrechtsbewehıten Verboten +>Im August verabschiedete das ägyptische Parlament ein neues Gesetz zum Bau christlicher Kirchen, mit dem ein auf Trennung und Ungleichheit basierendes System aufrechterhalten wird. 
-kommt es insoweit maßgeblich auf die tatsächliche Strafverfolgungspraxis im Herkunfts- +
-land des Ausländers an, denn ein Verbot, das erkennbar nicht durchgesetzt wird, begrün- +>Das neue Gesetz erlaubt Gouverneuren, Baugenehmigungen für Kirchen ohne Rechtsbehelfsbelehrung zu versagen, und verlangt, dass sich die Größe von Kirchenneubauten proportional am Anteil der christlichen Bevölkerung in ihrer Umgebung bestimmt - obwohl es keine amtlichen Statistiken zur christlichen Bevölkerung Ägyptens gibt - und enthält Sicherheitsbestimmungen, mit denen die Entscheidung über den Bau neuer Kirchen von den Launen gewaltbereiter Mobs abhängig gemacht werden kann. 
- +
- +>Seit Dezember zeigte sich durch vier schwere Anschläge auf Christen eine unvorhergesehene Welle der Gewalt. Im Dezember wurden bei einem Selbstmordattentat in einer Kirche neben der Koptisch-Orthodoxen St.-Markus-Kathedrale in Kairo mindestens 25 Menschen getötet. 
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-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 1 /Z6 +>Im April 2017 starben am Palmsonntag bei zwei Selbstmordanschlägen in der St.-Georg-Kirche in Tanta und an der St.-Markus-Kirche in Alexandria mindestens 47 Menschen. Der Bombenanschlag vor der St.-Markus-Kirche geschah, als sich der koptische Papst Tawadros ll in der Kirche aufhieltIm Mai 2017 starben 30 Menschen bei einem Angriff auf einen Konvoi koptischer Pilger, die das St.-Samuel-Kloster besuchten. Die Extremistengruppe Islamischer Staat beanspruchte alle vier Anschläge für sich. Die Angriffe liefen schneller und gewaltsamer ab als zu jeder anderen Phase von Gewalttaten gegen Christen in Ägyptens jüngerer Geschichte. 
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-det keine erhebliche Verfolgungsgefahr. Relevanter subjektiver Gesichtspunkt für die Be- +>Gemäß der Menschenrechtsorganisation Egyptian Initiative for Personal Rights (Ägyptische Initiative für persönliche Rechte) hat es seit dem 25. Januar 2011 in Al-Minya 83 Vorfälle konfessionsbezogener Gewalt gegeben. Diese nehmen landesweit zu, wobei eine Angriffswelle gegen Kirchen und Besitztümer von Christen in dem Gouvernement in Folge der Räumung der Protestsitzblockade auf dem Raba Al-Adawiya-Platz am 14. August 2013 noch nicht mitgezählt ist. 
-uıteilung der Schwere der drohenden Verletzung der Religionsfreiheit ist der Umstand, +
-dass für den Betroffenen die Befolgung einer bestimmten gefahrträchtigen religiösen Pra- +>Vgl. Human Rights Watch, Auskunft an das VG Düsseldorf vom 31. Mai 2017. 
-xis in der Öffentlichkeit zur Wahrung seiner religiösen Identität besonders wichtig ist. Denn +
-der Schutzbereich der Religionsfreiheit erfasst sowohl die von der Glaubenslehre vorge- +>Dıe koptisch-orthodoxe Kirche führt aus: 
-schriebenen Verhaltensweisen als auch diejenigen, die der einzelne Gläubige für sich +
-selbst als unverzichtbar empfindet. Dem Umstand, dass die konkrete Form der Glaubens- +>Die Christenverfolgung in Ägypten reicht von Bedrohung, Einschüchterung und Nötigung, Vertreibung und Plünderung über tätliche Angriffe, sexuelle Übergriffe und Mädchenentführungen bis hin zu Mord. So zeigt die Ermordung eines Priesters im Osten des Landes, [der] Mord an einer Nonne und [das] Köpfen eines Apothekers im Norden des Landes, ganz zu schweigen von den alltäglichen Übergriffen im Süden, dass Ägypten heute kein sicheres Land für Christen mehr ist. Den staatlichen Stellen ist eine Auflklärung der Straftaten kaum möglich oder gewollt, da viele Schlüsselpositionen von Moslembrüdern und Salafisten bekleidet werden und Zeugen aus Angst schweigen. Außerdem berufen sich die Verantwortlichen auf die Scharia, die besagt, dass ein Moslem nicht wegen eines Christen bestraft werden darf. 
-betätigung (z.B. Missionierung) nach dem Selbstverständnis der Glaubensgemeinschaft, +
-der der Ausländer angehöıt, zu einem tragenden Glaubensprinzip gehöıt, kann dabei eine +>Vgl. St. Markus Koptisch Orthodoxe Kirche Frankfurt e.V., Auskunft an das VG Düsseldorf vom 30. Dezember 2016. 
-indizielle Wirkung zukommen. Maßgeblich ist aber, wie der einzelne Gläubige seinen +
-Glauben lebt und ob die verfolgungsträchtige Glaubensbetätigung für ihn persönlich nach +>Es drängt sich nach diesen Erkenntnissen geradezu auf, dass der ägyptische Staat auch heute nicht willens oder in der Lage ist, die Christen in Ägypten zu schützen. An dieser Einschätzung ändert nichts, dass der ägyptische Präsident al-Sisi offiziell den Terror bekämpft, den Muslimbrüder, Salafisten und der IS gegen Christen verbreiten. Auch besuchte er im Januar 2017 das koptische Weihnachtsfest. Die Angst vor den Islamisten ist indes so groß, dass sich die zuständigen Stellen weitestgehend herauszuhalten versuchen. 
-seinem Glaubensverständnis unverzichtbar ist. Dies setzt jedoch nicht voraus, dass der +
-Betroffene innerlich zerbrechen oder jedenfalls schweren seelischen Schaden nehmen +>Vgl. Auskunft der St. Markus Koptisch Orthodoxe Kirche Frankfurt e.V. an das VG Düsseldorf vom  30. Dezember 2016. 
-würde, wenn er auf eine entsprechende Praktizierung seines Glaubens verzichten müsste. +
-Jedoch muss die konkrete Glaubenspraxis für den Einzelnen ein zentrales Element seiner +>Sicherheitskräfte griffen in der Vergangenheit kaum zum Schutz der Christen ein, als koptische Kirchen attackiert und Christen ermordet wurden. 
-religiösen Identität und in diesem Sinne für ihn unverzichtbar sein. Es reicht nicht aus, +
-dass der Ausländer eine enge Verbundenheit mit seinem Glauben hat, wenn er diesen +>Vgl. Auswärtiges Amt, Bericht über die asyl- und abschieberelevante Lage in Ägypten vom 14April 2018 (Stand: März 2018), Seite 7. 
--jedenfalls im Aufnahmestaat - nicht in einer Weise lebt, die ihn im Herkunftsstaat der +
-Gefahr der Verfolgung aussetzen würde. Maßgeblich für die Schwere der Verletzung der +>Bei dem Anschlag vom 11. Dezember 2016 auf die an die Markus-Kathedrale angrenzende Kapelle Sankt Peter und Paul auf dem Gelände des Sitzes des koptischen Papstes Tawadros II. in Kairo konnte ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz „Islamischer Staat“ trotz Bewachung durch staatliche Sicherheitskräfte ungehindert in den Gottesdienst gelangen und dort 24 Menschen ermorden und 49 weitere verletzen. 
-religiösen Identität ist die Intensität des Drucks auf die Willensentscheidung des Betroffe- +
-nen, seinen Glauben in einer für ihn als verpflichtend empfundenen Weise auszuüben o- +>Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 18. Dezember 2016: Kopten in Angst, abrufbar unter http://www.sueddeutsche.de/politik/aegypten-kopten-in-angst-1.3299791. 
-der hierauf wegen der drohenden Sanktionen zu verzichten. +
-Vgl. BVerwG, Urteil vom 20. Februar 2013 - 10 O 23/12 -, juris, Rn. 28 ff. m.w.N., Sächsisches OVG, +>Am 9. April 2017 wurden zwei Bombenanschläge auf Gottesdienste von Kopten zur Feier des Beginns der Karwoche mit mehr als 40 Toten und Dutzenden Verletzten verübt. Bei einer Explosion in der Kirche St. Georg in der nordägyptischen Stadt Tanta starben mindestens 27 Menschen. Nur Stunden später detonierte an der St. Markus-Kathedrale in der Hafenstadt Alexandria ebenfalls ein Sprengsatz, der 17 Menschen das Leben kostete. Insgesamt wurden etwa 120 Menschen verletzt. 
-Urteil vom 18. September 2014 - A 1 A 348/13 -, juris, Rn. 39; VG Würzburg, Urteil vom +
-30. September 2016 -W1 K 16.3108? -, juris, Rn. 19 ff. m.w.N. +>Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Informationszentrum Asyl und Migration, Briefing Notes vom 10. April 2017; Süddeutsche Zeitung vom 10. April 2017: Ägyptens Präsident kündigt Ausnahmezustand an, abrufbar unter http://www.sueddeutsche.de/politik/aegyptens-praesident-kuendigt-nach-anschlaegen-ausnahmezustand-an-1.3458683
-Die Verfolgung kann gemäß § 3c AsylG ausgehen von einem Staat, Paıteien oder Organi- +> 
-sationen, die den Staat oder wesentliche Teile des Staatsgebietes beherrschen oder von +>Am 18. April 2017 kam es vor dem griechisch-orthodoxen Katharinenkloster im Süden der Sinai-Halbinsel zu einem Schusswechsel. 
-nichtstaatlichen Akteuren, sofern die zuvor genannten Akteure einschließlich internationa- +
-ler Organisationen erwiesenermaßen nicht in der Lage oder nicht willens sind, im Sinne +>Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Informationszentrum Asyl und Migration, Briefing Notes vom 24. April 2017. 
-des § 3d AsylG Schutz vor der Verfolgung zu bieten. +
-Die relevanten Rechtsgutsverletzungen müssen mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit dro- +>Am 26. Mai 2017 wurde ein Bus mit koptischen Christen angegriffen, die auf dem Weg zum St.-Samuel-Kloster im Gouvernement Al-Minya rund 220 Kilometer südlich der Hauptstadt Kairo Waren. Es Wurden mindestens 29 Menschen getötet. Es gab zudem Dutzende Verletzte. 
-hen. Dieser aus dem Tatbestandsmerkmal „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung“ +
-des Art. 2 Buchstabe d RL 2011/95/EU (Qualiflkationsrichtlinie - QRL) abzuleitende Maß- +>Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 26. Mai 2017: Mindestens 29 Tote bei Angriff auf koptische Christen in Ägypten, abrufbar unter http://www.sueddeutsche.de/politik/eil-mindestens-tote-bei-angriff-auf-koptische-christen-in-aegypten-1.3522326?source=rss; Tagesschau vom 26. Mai 2017: Schüsse in ÄgyptenMindestens 26 Kopten ermordet, abrufbar unter https://www.tagesschau.de/ausland/kopten-aegypten-101.html. 
-stab orientieıt sich an der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschen- +
-rechte (EGMR), der bei der Prüfung des Art. 3 EMRK auf die tatsächliche Gefahr abstellt +>Am 13. Oktober 2017 wurde in Kairo ein koptisch-orthodoxer Priester bei einem Messerangriff getötet und ein weiterer schwer verletzt. 
-(„rea| risk“); dieser Maßstab ist kein anderer als der der beachtlichen Wahrscheinlichkeit. +
-Vgl. BVerwG, Urteil vom 20. Februar 2013 - 10 C 23/12 -, juris, Rn. 32 m.w.N., +>https://www.domradio.de/themen/christenverfolgung/2017-10-13/koptischer-priester-kairo-ermordet. 
-VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 3. November 2016 - A 9 S 303/15 -, juris, Rn. 32. +
-Er setzt voraus, dass bei einer zusammenfassenden Würdigung des gesamten zur Prü- +>Am 29. Dezember 2017 wurden bei einem Angriff auf eine koptische Kirche in der Stadt Helwan mindestens neun Menschen getötet. 
-fung gestellten und relevanten Lebenssachverhalts die für eine Verfolgung sprechenden +
- +>Vgl. Die Welt vom 29. Dezember 2017: Mehrere Tote bei Angriff auf Kirche nahe Kairo, abrufbar unter https://www.welt.de/politik/ausland/article172009907/Aegypten-Mehrere-Tote-bei-Andriff-auf-Kirche-nahe-Kairo.html; Tagesschau.de vom 29. Dezember 2017: Angriff auf Kopten - „Gott sei Dank war das Tor geschlossen“, abrufbar unter: https://www.tagesschau.de/ausland/anschlag-kairo-111.html. 
- +
- +>Am 2. November 2018 wurde ein Anschlag auf einen Reisebus mit koptischen Pilgern verübt, bei dem mindestens sieben Personen getötet und 14 weitere verletzt wurden. 
-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 12/26 +
-+>Vgl. Tagesschaude vom 2, November 2018: Angriff auf Koptische Pilger, abrufbar unter: https://www.tagesschau.de/ausland/kopten-aegypten-107.html. 
-Umstände die dagegen sprechenden Tatsachen üben/viegen. Dabei ist eine qualifizierende +
-bzw. bewertende Betrachtungsweise im Sinne einer Gewichtung und Abwägung aller fest- +>Den Klägern steht auch keine innerstaatliche Fluchtalternative im Sinne von § 3e AsylG in Ägypten zur Verfügung. Nach dieser Vorschrift wird die Flüchtlingseigenschaft einem Ausländer nicht zuerkannt, wenn er in einem Teil seines Landes keine begründete Furcht vor Verfolgung oder Zugang zu Schutz vor Verfolgung nach § 3d AsylG hat und sicher und legal in diesen Landesteil reisen kann, dort aufgenommen wird und vernünftigerweise erwartet werden kann, dass er sich dort niederlässt. Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht gegeben. 
-gestellten Umstände und ihrer Bedeutung anzulegen. Entscheidend ist, ob aus der Sicht +
-eines vernünftig denkenden und nicht übertrieben furchtsamen Menschen gerade in der +>Es gibt zur Überzeugung des Gerichts keinen Landesteil in Ägypten, in dem nach dem anzuwendenden Maßstab der beachtlichen Wahrscheinlichkeit die tatsächliche Vermutung dafür, dass sich frühere Handlungen und Bedrohungen bei einer Rückkehr in das Herkunftsland wiederholen werden, widerlegt ist. 
-Lage des konkret Betroffenen nach Abwägung aller bekannten Umstände eine Rückkehr +
-in den Heimatstaat als unzumutbar einzuschätzen ist. Unzumutbar kann eine Rückkehr in +>Vgl. VG Düsseldorf, Urteil vom 3. Juli 2017 - 12 K 463/16.A -; VG Minden, Urteil vom 13. März 2018 - 10 K 955/16.A-, juris. 
-den Heimatstaat auch dann sein, wenn ein mathematischer Wahrscheinlichkeitsgrad von +
-weniger als 50 Prozent für eine Verfolgung gegeben ist. In einem solchen Fall reicht zwar +>Zwar leben koptisch-orthodoxe Christen in allen Landesteilen Ägyptens. Sie sind jedoch in Oberägypten sowie einigen Stadtteilen von Kairo und Alexandria überdurchschnittlich vertreten. 
-die bloße theoretische Möglichkeit einer Verfolgung nicht aus. Ein vernünftig denkender +> 
-Mensch wird sie außer Betracht lassen. Ergeben jedoch die Gesamtumstände des Falls +>Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Informationszentrum Asyl und Migration: Ägypten: Die Koptisch-Orthodoxe Kirche, September 2012, Seite 3. 
-die „reale Möglichkeit“ einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung, wird auch ein ver- +
-ständiger Mensch das Risiko einer Rückkehr in den Heimatstaat nicht auf sich nehmen. +>Koptisch-orthodoxe Christen können grundsätzlich ihren Wohnort innerhalb Ägyptens wechseln. Ob ein Wohnortwechsel die Aussicht auf Freiheit von Gewaltakten und Inhaftierungen bietet, ist jedoch stark einzelfallabhängig. 
-Ein verständiger Betrachter wird bei der Abwägung aller Umstände daneben auch die be- +
-sondere Schwere des befürchteten Eingriffs in einem gewissen Umfang in seine Betrach- +>Vgl. Auswärtiges Amt, Auskunft an das VG Köln vom 29. Mai 2017. 
-tung einbeziehen. Wenn nämlich bei quantitativer Betrachtungsweise nur eine eher gerin- +
-gere mathematische Wahrscheinlichkeit für eine Verfolgung besteht, kann es auch aus der +>In Stadtgebieten ist zwar die Wahrscheinlichkeit, dass Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen ausbrechen, niedriger, und Christen sind im Allgemeinen frei in der Ausübung ihres Glaubens, auch wenn in vielen Gemeinden die Gottesdienste in inoffiziellen Kirchen stattfinden, welche in Wohnhäusern oder Gebäuden, die jederzeit von den Behörden geschlossen werden könnten, untergebracht sind. Jedoch fanden gerade in Kairo, Alexandria und anderen Städten seit 2011 schwerwiegende Angriffe gegen Kirchen oder Häuser von Christen statt. Die Behörden haben sich als außerstande erwiesen, Christen in Kairo, Alexandria und in anderen Orten vor schweren Angriffen durch überzeugte Extremistengruppen zu schützen. 
-Sicht eines besonnenen Menschen bei der Überlegung, ob er in seinen Heimatstaat zu- +
-rückkehren kann, einen ganz erheblichen Unterschied bedeuten, ob er z. B. lediglich eine +>Vgl. Human Rights Watch, Auskunft an das VG Düsseldorf vom 31. Mai 2017. 
-Gefängnisstrafe von einem Monat oder aber Folter oder gar die Todesstrafe riskiert. Auch +
-gilt: Je unabwendbarer eine drohende Verfolgung erscheint, desto unmittelbarer steht sie +>In den ländlichen Gebieten Oberägyptens kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und regelmäßig zu strukturellen Benachteiligungen der Christen. 
-bevor. Je schwerer der befürchtete Verfolgungseingriff ist, desto weniger kann es dem +
-Gefährdeten zugemutet werden, mit der Flucht zuzuwaiten, bis der Verfolger unmittelbar +>Vgl. Auswärtiges Amt, Bericht über die asyl- und abschieberelevante Lage in Ägypten vom 14. April 2018, Seite 8, Auskunft an das VG Köln vom 29. Mai 2017. 
-vor der Tür steht. Das gilt auch dann, wenn der Eintritt der befürchteten Verfolgung von +
-reiner Willkür abhängt, das befürchtete Ereignis somit im Grunde jederzeit eintreten kann, +>Konfessionsbezogene Konflikte ereignen sich häufiger in Ober- und Mittelägypten, besonders in den Gouvernements Al-Minya, Al-Fayyüm and Bani Suwaif. 
-ohne dass allerdings im Einzelfall immer gesagt werden könnte, dass dessen Eintritt zeit- +
-lich in nächster Nähe bevorsteht. Die allgemeinen Begleitumstände, z.B. eine Willkürpra- +>Vgl. Human Rights Watch, Auskunft an das VG Düsseldorf vom 31. Mai 2017. 
-xis, die Repressionsmethoden gegen bestimmte oppositionelle oder venıvundbare Grup- +
-pen, sind allgemeine Prognosetatsachen. Für die Beurteilung sind alle Akte zu berücksich- +>In ländlicheren Gebieten, besonders in Al-Minya und anderen Gouvernements in Mittel- und Oberägypten haben sich die Sicherheitskräfte als außerstande erwiesen, Kirchen und Eigentum von Christen vor regelmäßigen konfessionsbedingten Angriffen zu schützen. In den traditionellen Räten, einer staatlich geförderten traditionellen Art der Streitbeilegung, welche weiterhin das gerichtliche Strafverfahren fast aller konfessionsbezogenen Vorfälle ersetzt und häufig zur Zerstörung der Häuser von Christen und Zwangsräumung christlicher Familien führt, hat keine Entwicklung stattgefunden. An diesem Prozess sind üblicherweise Sicherheitsbeamte und religiöse Prediger mitbeteiligt; Aggressoren werden üblicherweise nicht ihren Taten, zu denen auch vorsätzliche Tötung gehört, entsprechend bestraft. Diese Versöhnungsräte haben sich im Laufe der Zeit zu einem semi-dauerhaften Parallel-Gerichtssystem entwickelt. Ein Bericht über Versöhnungsverfahren der „Egyptian Initiative for Personal Rights“ (Ägyptische Initiative für persönliche Rechte) aus Juni 2015 dokumentiert sechs dieser Versöhnungen seit Anfang des Jahres und kam zu dem Schluss, dass es an deren Einsatz keine Veränderungen seitens der Regierung gab. Diesem Bericht zufolge hatten Sicherheits- und Militärbeamte manchmal Vereinbarungen mit salafistischen Persönlichkeiten getroffen, um ihre Anhänger dazu zu bewegen, als Gegenleistung für strafrechtliche Nichtverfolgung die Gewalt einzustellen. Das Muster, dass man nicht zur Rechenschaft gezogen wird, und die Fortsetzung der Traditionen der Gemeinderäte haben eine Stimmung der Konfessionsbezogenheit und eine Zunahme der Angriffe mit Straffreiheit der Täter gefördert. 
-tigen und einzustellen, denen der Ausländer ausgesetzt war oder die ihm gedroht hatten, +
-um festzustellen, ob unter Berücksichtigung seiner persönlichen Umstände diese Hand- +>Vgl. Human Rights Watch, Auskunft an das VG Düsseldorf vom 31. Mai 2017. 
-lungen als Verfolgung im Sinne von § 3a Abs. 1 AsylG gelten können. Zur Erstellung der +
-erforderlichen Prognose sind objektivieıt die Prognosetatsachen nach den allgemeinen +>Insbesondere die Tatsache, dass in Fällen sektiererischer Gewalt teils nur zögerlich von Polizei und Feuerwehren vor Ort eingegriffen wird und traditionelle Streitschlichtungsmechanismen anstatt  strafrechtlicher Verfolgung greifen, erweckt zum Teil den Anschein politischer Legitimation. 
-Maßstäben des verwaltungsverfahrensrechtlichen und verwaltungsgerichtlichen Regelbe- +
-weismaßes der Überzeugungsgewissheit zu ermitteln und festzustellen. Diese Tatsachen +>Vgl. Auswärtiges Amt, Auskunft an das VG Dusseldorf vom 20. Januar 2017, Seite 2. 
-liegen regelmäßig teils in der Vergangenheit, teils in der Gegenwart. Sie müssen sodann +
-in einer Gesamtschau verknüpft und gewissermaßen in die Zukunft projiziert werden. Auch +>Andere Landesteile kommen aufgrund ihrer (fast) rein muslimisch geprägten Bevölkerung für eine Rückkehr koptisch-orthodoxer Christen ohnehin nicht in Betracht. Es würde der dortigen muslimischen Bevölkerung sofort auffallen, dass sich die Kläger nicht entsprechend muslimischen Glaubens- und Verhaltensvorschriften verhalten, etwa Teilnahme am Freitagsgebet, die fehlende Verschleierung der Frauen oder die Einhaltung des Ramadan. Es kommt hinzu, dass die Kläger aufgrund ihrer christlichen Namen unmittelbar als Christen erkennbar wären. Nicht zuletzt wäre es den Klägern dort mangels christlicher Gemeinden nicht möglich, ihre religiöse Identität zu wahren. Eine ungehinderte Religionsausübung zur Wahrung der religiösen Identität kommt dort von vornherein nicht in Betracht. 
-wenn insoweit - wie sich bereits aus dem Gefahrbegriff ergibt - eine beachtliche Wahr- +
-scheinlichkeit ausreicht und deshalb ein „voller Beweis“ nicht erbracht werden kann, än- +>Vgl. hierzu BVerwG, Urteil vom 20. Februar 2013 - 10 C 23/12 -, juris, Rn. 30 ff., VG Düsseldorf, Urteil vom 3. Juli 2017 - 12 K 463/16.A -; VG Minden, Urteil vom 13. Marz 2018 - 10 K 955/16.A -, juris. 
-dert dies nichts daran, dass das Gericht von der Richtigkeit seiner verfahrensfehlerfrei ge- +
-wonnenen Prognose drohender Verfolgung die volle Überzeugung gewonnen haben +>Es kommt hinzu, dass am Ort einer inländischen Fluchtalternative das wirtschaftliche Existenzminimum gesichert sein muss. Nach den vom Bundesverwaltungsgericht entwickelten Grundsätzen bietet ein verfolgungssicherer Ort erwerbsfähigen Personen das wiıtschaftliche Existenzminimum in aller Regel dann, wenn sie dort, sei es durch eigene, notfalls auch wenig attraktive und ihrer Vorbildung nicht entsprechende Arbeit, die grundsätzlich zumutbar ist, oder durch Zuwendungen von dritter Seite jedenfalls nach Überwindung von Anfangsschwierigkeiten das zu ihrem Lebensunterhalt unbedingt Notwendige erlangen können. 
-muss. +
-Vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 3. November 2016 - A 9 S 303/15 -, juris, +>Vgl. BVerwG, Urteil vom 1. Februar 2007 - 1 C 24/06 -, juris, Rn. 11 f. 
-Rn. 32 ff. m.w.N.; Niedersächsisches OVG, Urteil vom 21. September 2015 - 9 LB 20/14 -, juris, +
-Rn. 30 m.w.N. +>Hiervon ausgehend bestehen durchgreifende Zweifel, dass die Kläger ihr wirtschaftliches Existenzminimum bei einer Rückkehr nach Ägypten sichern könnten. Die wirtschaftliche Situation in Ägypten hat sich mit steigender Inflation und durch Subventionsabbau in den letzten Jahren massiv verschlechteıt. Bei einer Rückkehr spielen deshalb familiäre Netzwerke und die Verwurzelung vor Ort im Hinblick auf die soziale Absicherung eine große Rolle. 
- +
- +>Vgl. Auswärtiges Amt, Auskunft an das VG Düsseldorf vom 20. Januar 2017. 
- +
-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 13/26 +>III. Unabhängig von bereits erlittener Vorverfolgung und selbständig tragend haben die Kläger einen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäß § 3 Abs. 4 i.V.m. Abs. 1 AsylG, weil sie sich aus begründeter Furcht vor Verfolgung durch die muslimische Mehrheitsbevölkerung wegen ihres christlichen Bekenntnisses zur koptisch-orthodoxen Religion außerhalb ihres Herkunfislandes befinden, dessen Schutz sie nicht in Anspruch nehmen können oder wegen dieser Furcht nicht in Anspruch nehmen wollen. 
-+
-Der Ausländer hat unter Angabe genauer Einzelheiten einen in sich stimmigen Sachver- +>Den Klägern als koptisch-orthodoxen Christen, die es nach ihrem christlichen Glaubens-Verständnis für sich als identitätsbestimmend ansehen, ihren Glauben der Tradition gemäß in christlichen Gemeinden zu leben, drohen bei einer Rückkehr nach Ägypten nach dem anzuwendenden Maßstab der beachtlichen Wahrscheinlichkeit Verfolgungsmaßnahmen durch die muslimische Mehrheitsbevölkerung. 
-halt zu schildern, aus dem sich bei Wahrunterstellung ergibt, dass bei verständiger Würdi- +
-gung eine Verfolgung droht. Hierzu gehört, dass der Ausländer zu den in seine Sphäre +>Vgl. hierzu BVerwG, Urteil vom 20. Februar 2013 - 10 G 23/12 -, juris, Rn. 32; VG Düsseldorf, Urteil vom 3. Juli 2017, - 12 K 463/16.A -, juris; VG Minden, Urteil vom 13. März 2018 - 10 K 955/16.A -, juris. 
-fallenden Ereignissen, insbesondere zu seinen persönlichen Erlebnissen, eine Schilderung +> 
-gibt, die geeignet ist, den behaupteten Anspruch lückenlos zu tragen. Die Tatsache, dass +>Dies ergibt sich aus den ausführlich dargestellten Erkenntnissen hinsichtlich der stark zunehmenden Zahl von schweren Anschlägen auf koptische Kirchen und gewalttätigen Übergriffen auf Kopten. Staatlicher Schutz ist nach den oben ausführlich dargestellten Erkenntnissen nicht oder jedenfalls nicht in dem erforderlichen Umfang zu erlangen. Dabei verkennt das Gericht nicht, dass ein vollständiger Schutz insbesondere etwa gegen terroristische Angriffe nicht gewährleistet werden kann. Es drängt sich nach der oben dargestellten Erkenntnislage jedoch geradezu auf, dass der ägyptische Staat nicht willens oder in der Lage ist, die Christen in Ägypten hinreichend zu schützen. Die ägyptischen Sicherheitskräfte griffen in der Vergangenheit selbst dann nicht zum Schutz der Christen ein, als koptische Kirchen angegriffen und Christen ermordet wurden.
-er eine unterdrückte religiöse Betätigung seines Glaubens für sich selbst als verpflichtend +
-empfindet, um seine religiöse Identität zu wahren, muss er zur vollen Überzeugung des +
-Gerichts nachweisen. Die religiöse Identität als innere Tatsache lässt sich nur aus dem +
-Vorbringen des Ausländers sowie im Wege des Rückschlusses von äußeren Anhaltspunk- +
-ten auf die innere Einstellung des Betroffenen feststellen. Dafür ist das religiöse Selbstver- +
-ständnis eines Ausländers grundsätzlich sowohl vor als auch nach der Ausreise aus dem +
-Herkunftsland von Bedeutung. Bei der Bewertung der Stimmigkeit des Sachverhalts müs- +
-sen u. a. Persönlichkeitsstruktur, Wissensstand und Herkunft des Ausländers berücksich- +
-tigen werden. +
-Vgl. BVerwG, Urteil vom 20. Februar 2013 - 10 C 23/12 -, juris, Rn. 20 ff. m.w.N., sowie Beschluss +
-vom 3. August 1990 - 9 B 45/90 -, juris, Rn. 2 (zu Art. 16a GG), OVG NRW, Urteile vom +
-14. Februar 2014 -1 A 1139/13.A -, juris, Rn. 35, und vom 17. August 2010 - 8 A 4063/06.A -, juris, +
-Rn. 33; Sächsisches OVG, Urteil vom 18. September 2014 -A1 A 348/13 -, juris, Rn. 40. +
-Der der Prognose zugrunde zu legende Wahrscheinlichkeitsmaßstab ist unabhängig da- +
-von, ob bereits Von/erfolgung oder ein ernsthafter Schaden im Sinne des § 4 Abs. 1 AsylG +
-vorliegt. Die Tatsache, dass ein Ausländer bereits verfolgt wurde oder einen sonstigen +
-ernsthaften Schaden erlitten hat bzw. von solcher Verfolgung oder einem solchen Scha- +
-den ernsthafi bedroht war, ist allerdings ein ernsthafter Hinweis darauf, dass die Furcht +
-des Ausländers vor Verfolgung begründet ist bzw. dass er tatsächlich Gefahr läult, ernst- +
-haften Schaden zu erleiden (vgl. Art. 4 Abs. 4 QRL). Nach dieser Vorschrift besteht die +
-tatsächliche Vermutung, dass sich frühere Handlungen und Bedrohungen bei einer Rück- +
-kehr in das Herkunftsland wiederholen werden. Den in der Vergangenheit liegenden Um- +
-ständen wird Beweiskraft für ihre Wiederholung in der Zukunft beigelegt. Dadurch wird der +
-Von/erfolgte bzw. Geschädigte von der Notwendigkeit entlastet, stichhaltige Gründe dafür +
-darzulegen, dass sich die verfolgungsbegründenden bzw. schadenstiftenden Umstände +
-bei Rückkehr in sein Herkunftsland wiederholen werden. Diese Vermutung kann aber wi- +
-derlegt werden; hierfür ist erforderlich, dass stichhaltige Gründe die Wiederholungsträch- +
-tigkeit solcher Verfolgung bzw. des Eintritts eines solchen Schadens entkräften. +
-Vgl. BVerwG, Urteile vom 20. Februar 2013 - 10 C 23/12 -, juris, Rn. 19, vom 22. November 2011 +
-- 10 C 29/10 -, juris, Rn. 23 ff., vom 1. Juni 2011 - 10 C 25/10 -, juris, Rn. 23, und vom 1. März 2012 +
-- 10 O 7/11 -, juris, Rn. 12, OVG NRW, Urteile vom 14. Februar 2014 -1 A 1139/13.A-, juris, Rn. 77, +
-und vom 17. August 2010 - 8 A 4062/06.A -, juris, Rn. 35 ff., VGH Baden-Württemberg, Urteil vom +
-3. November 2016 - A 9 S 303/15 -, juris Rn. 35.; Niedersächsisches OVG, Urteil vom +
-21. September 2015 - 9 LB 20/14 -, juris, Rn. 30 m.w.N. +
-Ausgehend von diesen Grundsätzen liegen die Voraussetzungen für die Zuerkennung der +
-Flüchtlingseigenschaft in der Person der Kläger vor. Es steht zur Überzeugung des Ge- +
- +
- +
- +
-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 14/26 +
-10 +
-richts fest, dass die Kläger sich aus begründeter Furcht vor Verfolgung durch nichtstaatli- +
-che Akteure wegen ihrer Religion außerhalb ihres Herkunftslandes aufhalten. +
-Das Gericht geht hierbei von folgendem Sachverhalt aus: Der Kläger zu 1. wurde mehr- +
-fach an seinem Arbeitsplatz wegen seines christlichen Glaubens diskriminieıt und schließ- +
-lich entlassen. Die Klägerin zu 2. wurde von Muslimen wegen ihres christlichen Glaubens +
-sexuell bedrängt, ohne dass sie sich hätte wehren können. Zudem haben die Kläger mehr- +
-fach Beschimpfungen und Bedrohungen wegen des Besuchs des Gottesdienstes erlitten. +
-Dieser Sachverhalt steht aufgrund der Anhörung der Kläger zur Überzeugung des Ge- +
-richts fest. Die Kläger haben ihr Verfolgungsschicksal ausführlich, detailreich und ohne +
-Widersprüche zu ihrem vorherigen Vorbringen geschildert. An der Glaubwürdigkeit der +
-Kläger hat das Gericht keine Zweifel. Sie haben auch nachvollziehbar berichtet, dass sich +
-die flüchtlingsschutzrechtlich hinreichend schweren Eingriffe auf ihre Zugehörigkeit zum +
-koptisch-oıthodoxen Glauben bezogen. +
-Die Schilderungen der Kläger decken sich mit den in das Verfahren eingeführten Erkennt- +
-nissen des Gerichts bezüglich der Situation koptisch-orthodoxer Christen in Ägypten zum +
-Zeitpunkt der Ausreise der Kläger im Jahr 2008. Bereits damals war eine starke Zunahme +
-derAngriffe auf koptisch-orthodoxe Christen und deren Gotteshäuser festzustellen. +
-Vgl. auch die ausführliche Darstellung bei Boochs, Die Kopten -„Kirche der Märtyrer", Seite 111 ff. +
-Seit der Machtübernahme von Präsident Mursi im Juni 2012 wurden in Ägypten +
-25 Kirchen angegriffen, insgesamt 59 Kopten starben bei gewaltsamen Ausschreitun- +
-gen. Bei religiösen Unruhen in el-Khousous in der Provinz al-Qualyubiyya Anfang April +
-2013 kamen fünf koptische Christen ums Leben. Bei dem anschließenden Begräbnis kam +
-es erneut zu gewaltsamen Ausschreitungen, zwei weitere Tote waren zu verzeichnen. +
-Vgl. Boochs, Bie Kopten - „Kirche der Märtyrer", Seite 117 ff., internationale Gesellschaft für Men- +
-schenrechteAgypten: Fatwa verbietet Ostergrüße an Christen vom 6. Mai 2013, abrufbar unter +
-mps://www.ic1fm.de/ne/?t›< ttnews%255Btt news%255D=2695&cHash=b8108508902e29fde6507d17 +
-ec7625c8, +
-Streitigkeiten zwischen Clans verschiedener Konfessionen fühıten in den ärmeren Regio- +
-nen Ägyptens immerwieder zu Gewalt. Manchmal reichte auch ein Gerücht aus, um die +
-Spannungen zum Eskalieren zu bringen. Radikalislamische Prediger und Hetzer schienen +
-seit dem Sturz Hosni Mubaraks ihren Einfluss ungehindert auszuweiten, da die regieren- +
-den Islamisten davor zurückschreckten, sich mit ihnen anzulegen. +
-Vgl. Spiegel Online vom 6. April 2013: Tote bei Kämpfen zwischen Muslimen und Christen, abrufbar +
-unter mp://wwwsbieoel.de/bolitik/ausland/oewalt-in-aeqypten-fuenf-menschen-sterben-bei-attacke +
-auf-christen-a-892912.htm|; Neue Zürcher Zeitung vorn 3Mai 2013: Gewalt gegen Christen am Nil, +
-abrufbar unter mps:/lwwvi/.nzz.ch/die-kobten-wehren-sich-fuer-ihre-rechte-1.180751 75weiterfuhrend +
-Boochs, Die Kopten ~ „Kirche der Märtyrer", Seite 124 ff. +
- +
- +
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-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 15/26 +
-11 +
-Die Verfolgung der Kläger ging auch von Verfolgungsakteuren im Sinne von § 3c AsylG +
-aus. Es steht zur Überzeugung des Gerichts fest, dass die Kläger einer Verfolgung durch +
-nichtstaatliche Akteure ausgesetzt waren. Sie wurden wegen ihres Glaubens wiederholt +
-bedroht und erpresst. Es steht zur Überzeugung des Gerichts fest, dass der ägyptische +
-Staat jedenfalls nicht in der Lage war, die Kläger zu schützen. Andere schutzfähige und - +
-bereite Organisationen sind nicht ersichtlich. +
-Vgl. VG Dusseldorf, Urteil vom 3. Juli 2017 - 12 K 463/16.A -, juris; VG Minden, Urteil vom +
-13, März 2018 - 10 K 955/16.A -, juris. +
-Die Vorverfolgung der Kläger begründet die gesetzliche Vermutung dafür, dass diese Ver- +
-folgung sich bei Rückkehr in den Herkunftsstaat wiederholt. +
-Es steht dabei zur Überzeugung des Gerichts fest, dass die Glaubenspraxis für die Kläger +
-ein zentrales Element ihrer religiösen ldentität und in diesem Sinne für sie unverzichtbar +
-ist. Die Kläger haben glaubhaft geschildert, dass sie in Ägypten als koptisch-orthodoxe +
-Christen gelebt haben und ihren christlichen Glauben auch in Deutschland leben und re- +
-gelmäßig den Gottesdienst besuchen. Die Kläger sind dort auch ehrenamtlich tätig. +
-Nach dem oben dargestellten Maßstab der beachtlichen Wahrscheinlichkeit besteht ge- +
-mäß Art. 4 Abs. 4 QRL eine tatsächliche Vermutung dafür, dass sich frühere Handlungen +
-und Bedrohungen bei einer Rückkehr in das Herkunftsland wiederholen werden. Diese +
-Vermutung ist im vorliegenden Fall nicht widerlegt. +
-Vgl. zu den Anforderung an eine V\/iderlegung der Vermutung im Einzelnen: VGH Ba- +
-den-Württemberg, Urteil vom 3. November 2016 -A 9 S 303/15 -, juris, Rn. 35. +
-Es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass eine Veıfolgung der Kläger sich im Fal- +
-le ihrer Rückkehr nicht wiederholen würde. lm Gegenteil: Es steht auf Grundlage der aktu- +
-ellen, in das Veıfahren eingeführten Erkenntnisse zur Überzeugung des Gerichts fest, +
-dass die Zahl der nichtstaatlichen Gewaltakte gegen koptisch-orthodoxe Christen seit der +
-Ausreise der Kläger bis zum Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung nochmals stark zuge- +
-nommen hat. +
-Das Auswärtige Amt fühn in seinem aktuellen Lagebericht aus: +
-Kopten, die etwa 10% der ägyptischen Gesellschaft ausmachen und in ihrer Ei- +
-genwahrnehmung keine Minderheit darstellen, sind Opfer vielfacher Diskrimi- +
-nierungen, die oft auch in Gewalt münden. Insbesondere während der Welle +
-der Gewalt im August 2013, die seit Mai 2016 wieder aufflammte, wurden kopti- +
-sche Kirchen attackiert und Christen ermordet. Die Sicherheitskräfte griffen +
-kaum zu ihrem Schutz ein. [...] +
-2015 wurden einzelne christliche Kirchen angegriffen und [wurde] Eigentum von +
-Kopten zerstört. Besonders in Oberägypten kommt es immer wieder zu gewalt- +
-tätigen Auseinandersetzungen, deren Ursache häufig in Streitigkeiten auf loka- +
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-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 16/26 +
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-ler Ebene liegen. Traditionelle Vorstellungen von (Blut-)Rache und (kollektiver) +
-Vergeltung sind in den ländlichen Gebieten Oberägyptens nach wie vor vor+
-herrschend. Traditionelle Streitschlichtungsmeohanismen spielen auch auf- +
-grund der Abwesenheit funktionierender staatlicher Institutionen eine große Rol- +
-le. Dabei kommt es regelmäßig zu strukturellen Benachteiligungen der Christen. +
-lm Mai 2016 flammte die Gewalt gegen Christen wieder neu auf, was zu einer +
-öffentlichen Debatte über das Thema und zur Verabschiedung des umstrittenen +
-Gesetzes über den Kirchenbau führte. +
-Vgl. Auswärtiges Amt, Bericht über die asyl- und abschieberelevante Lage in Ägypten vom +
-14. April 2018 (Stand: März 2018), Seite 7f. +
-Das Auswärtige Amt führt in seiner Auskunft an das Gericht weiter aus: +
-Koptisch-orthodoxe Christen, die mit ca. 10% der Bevölkerung die größte religi- +
-öse Minderheit im Land sind, leiden seit jeher unter struktureller Diskriminie- +
-rung, die schon unter Vorgängerregierungen demselben Muster wie heute folg- +
-te. Seit Mai 2016 hat sich die Gewalt gegen Kopten in Oberägypten deutlich in- +
-tensiviert und damit einen negativen Höhepunkt während der Amtszeit Al-Sisis +
-erreicht. Die Mehrzahl der Übergriffe stand im Zusammenhang mit Kirchenbau. +
-Andere Auslöser für Gewalt gegen Kopten sind private Auseinandersetzungen, +
-die im Laufe des Konfliktes eine religiöse Dimension annehmen sowie uner- +
-wünschte romantische bzw. sexuelle Beziehungen zwischen Muslimen und +
-Kopten. +
-Vgl. Auswärtiges Amt, Auskunft an das VG Düsseldorf vom 20. Januar 2017, +
-Die staatlichen Behörden greifen häufig nur unzureichend oder gar nicht zum +
-Schutz bedrohter Christen ein. +
-Vgl. Auswärtiges Amt, Auskunft vom ö. .Januar 2017 an das VG Köln, sowie Bericht über die +
-asyl- und abschieberelevante Lage in Agypten vom 14. April 2018, Seite 7 f., 11. +
-Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Informationszentrum Asyl und Migration +
-fuhıt aus: +
-Anschläge am Palmsonntag +
-Bei zwei Bombenanschlägen auf Gottesdienste von Kopten zur Feier des Be- +
-ginns der Kan/voche starben am 09.04.17 in der Kirche St. Georg in der nord- +
-ägyptischen Stadt Tanta mindestens 27, in der St.-Markus-Kathedrale in Ale- +
-xandria mindestens 17 Menschen. Insgesamt etwa 120 Menschen wurden ver- +
-letzt. Der IS bekannte sich zu den Taten und drohte mit weiterer Gewalt gegen +
-Christen. Präsident al-Sisi kündigte die Verhängung des Ausnahmezustandes +
-für drei Monate an, sobald die erforderlichen verfassungsrechtlichen Schritte, +
-wie die Zustimmung des Parlaments, vollzogen seien. Zuvor hatte er den sofor- +
- +
- +
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-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 1?/26 +
-13 +
-tigen landesweiten Einsatz von Armeeeinheiten zur Unterstützung der Polizei +
-angeordnet. Koptische Christen protestienen nach den Anschlägen gegen die +
-Regierung, weil sie sich nicht gut genug geschützt fühlen. +
-Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Informationszentrum Asyl und Migration, Brie- +
-fing Notes vom 10 April 2017. +
-Schusswechsel vor Kloster im Sinai +
-An einem Kontrollpunkt an der Straße vor dem griechisch-orthodoxen Kathari- +
-nenkloster im Süden der Sinai-Halbinsel eröffneten am 18.04.17 Angreifer das +
-Feuer auf Sicherheitskräfte. Mindestens ein Polizist kam ums Leben, drei weite- +
-re wurden nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums verletzt. Zu der +
-Tat bekannte sich der IS. Einem Sprecher des Klosters zufolge sollen die Si- +
-cherheitsmaßnahmen verstärkt werden. Eine unmittelbare Gefährdung der +
-Mönche bestehe nicht. Die Fahndung nach dem Täter, die mit Unterstützung +
-örtlicher Beduinen erfolgt sei, habe zu einem Verdächtigen geführt. Als dieser +
-damit gedroht habe, eine Sprengweste zur Explosion zu bringen, sei er von der +
-Polizei erschossen worden. Seit seiner Gründung im 6. Jh. werde das Kloster +
-von öıtlichen Beduinen geschützt, die den Auftrag hierzu vom römischen Kaiser +
-Justinian erhalten hätten. +
-Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Informationszentrum Asyl und Migration, Brie- +
-fing Notes vom 24. April 2017. +
-Amnesty International fühn aus: +
-Religiöse Minderheiten wie koptische Christen, Schiiten und Baha'i wurden wei- +
-terhin durch Gesetze diskriminiert und bei der Ausübung ihrer Religion einge- +
-schränkt, Außerdem waren sie nicht ausreichend gegen Gewalt geschützt. +
-Es kam erneut zu gewaltsamen Angriffen auf Gemeinden koptischer Christen. +
-Am 11. Dezember 2016 starben 27 Menschen bei einem Bombenattentat auf +
-eine Kirche in Kairo. Die bewaffnete Gruppe islamischer Staat (IS) reklamierte +
-den Angriff für sich, während die Behörden eine "Terrorzelle" mit mutmaßlichen +
-Verbindungen zur Muslimbruderschaft dafür verantwortlich machten. +
-Vgl. Amnesty international, Amnesty Report 20171 Ägypten, abrufbar unter +
-mps://www.amnestv.de/iahresbericht/2017/aeoıptenfisection-11783. +
-Dıe Süddeutsche Zeitung berichtet: +
-Bei einem Angriff bewaffneter Männer auf einen Bus mit koptischen Christen +
-sind im Mai 2017 in Ägypten mindestens 29 Menschen getötet worden. Es gab +
-zudem Dutzende Verletzte. Das Staatsfernsehen berichtete, Bewaffnete hätten +
-den Bus südlich der Hauptstadt Kairo in der Nähe der Stadt Al-Minja angegrif- +
- +
- +
- +
-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S IB/26 +
-14 +
-fen. Den Angaben zufolge waren die Opfer auf dem Weg zu einem Kloster. Bei +
-den Angreifern handelte es sich laut Augenzeugenberichten um acht bis zehn +
-Attentäter in Mmtäruniformen. Die Terrormmz islamischer Staat“ beanspruchte +
-die Täterschaft für sich. +
-Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 26. Mai 2017: Mindestens 29 Tote bei Angriff auf koptische +
-Christen in Agypten, abrufbar unter mp://wwwsueddeutsche.de/bolitik/eil-mindestens-tote-bek +
-anGriff-auf-koptische-christen-in-aedypten-1.3522326?source=rss. +
-Human Rights Watch fasst die Entwicklung seit dem Jahr 2016 wie folgt zusammen: +
-Seit Anfang 2016 wurden koptische Christen in Ägypten wiederholt Angriffen +
-ausgesetzt, insbesondere in den südlichen Gouvernements im als Mittel- und +
-Oberägypten bekannten Landesteil. lm Mai griff im Gouvernement al-Minya ei- +
-ne Menschenmenge das Haus eines Christen an, dem eine Affäre mit einer +
-verheirateten Muslimin nachgesagt wurde. Die Menge zerstörte das Haus und +
-zerrte die Mutter des Mannes, die 70-jährige Suad Thabet auf die Straße, ent- +
-kleideten sie und schlugen ihren Ehemann und ihren Nachbarn. +
-Der Staat baute Thabets Haus wieder auf. Doch lokale Behörden zwangen ihre +
-Familie, das Dorf zu verlassen. Obwohl Thabet unter Druck gesetzt wurde, ei- +
-ner landesüblichen "Versöhnungs“-Sitzung mit ihren Angreifern zuzustimmen, +
-wandte sich Thabet an die Staatsanwaltschaft. +
-Eine im Juni auf Youtube gezeigte Videoaufnahme aus einem Dorf im westli- +
-chen Einzugsgebiet von Alexandria zeigte eine Menschenmenge, die auf den +
-Straßen „Wir möchten keine Kirche“ skandierte. Die Menge griff Christen und +
-ein Nachbargebäude einer Kirche an, von der die Angreifer behaupteten, dass +
-doıt Gottesdienste stattfänden. Ein anderes im Juli herausgekommenes Video +
-zeigte eine Menschenmenge beim Angriff koptischer Gebäude in Al-Fashn, ei- +
-nem Dorf im Gouvernement Bani Suwaif nördlich von Al-Minya, nachdem ähnli- +
-che Anschuldigungen, dass Christen ein Gebäude zum Beten nützten, erhoben +
-worden waren. +
-Ende Juni und Mitte Juli zerstörten Menschenmengen vier koptische Häuser in +
-Al-Minya sowie sechs Gebäude, darunter einen Kindergarten, nachdem musli- +
-mische Nachbarn behauptet hatten, dass Christen vorhätten, die Häuser als +
-Kirchen zu nutzen. +
-lm Juli wurden die Familien von zwei Priestern in Al-Minya mit Messern und +
-Knüppeln angegriffen, wobei ein 27-jähriger Mann getötet und drei weitere Per- +
-sonen verletzt wurden. Ahram Online zufolge hieß es in lokalen Medienberich- +
-ten, dass dem Angriff ein Streit zwischen muslimischen und christlichen Kindern +
-darüber, wer zuerst durch die Straße laufe dürfe, vorausgegangen sei. +
- +
- +
- +
-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 19/26 +
-15 +
-lm August verabschiedete das ägyptische Parlament ein neues Gesetz zum +
-Bau christlicher Kirchen, mit dem ein auf Trennung und Ungleichheit basieren- +
-des System aufrechterhalten wird. +
-Das neue Gesetz erlaubt Gouverneuren, Baugenehmigungen für Kirchen ohne +
-Rechtsbehelfsbelehrung zu versagen, und verlangt, dass sich die Größe von +
-Kirchenneubauten proportional am Anteil der christlichen Bevölkerung in ihrer +
-Umgebung bestimmt - obwohl es keine amtlichen Statistiken zur christlichen +
-Bevölkerung Ägyptens gibt - und enthält Sicherheitsbestimmungen, mit denen +
-die Entscheidung über den Bau neuer Kirchen von den Launen gewaltbereiter +
-Mobs abhängig gemacht werden kann. +
-Seit Dezember zeigte sich durch vier schwere Anschläge auf Christen eine un- +
-vorhergesehene Welle der Gewalt. lm Dezember wurden bei einem Selbst- +
-mordattentat in einer Kirche neben der Koptisch-Oıthodoxen +
-St.-Markus-Kathedrale in Kairo mindestens 25 Menschen getötet. +
-lm April 2017 starben am Palmsonntag bei zwei Selbstmordanschlägen in der +
-St.-Georg-Kirche in Tanta und an der St.-Markus-Kirche in Alexandria mindes- +
-tens 47 Menschen. Der Bombenanschlag vor der St.-Markus-Kirche geschah, +
-als sich der koptische Papst Tawadros ll in der Kirche auflwieltlm Mai 2017 +
-starben 30 Menschen bei einem Angriff auf einen Konvoi koptischer Pilger, die +
-das St.-Samuel-Kloster besuchten. Die Extremistengruppe lslamischer Staat +
-beanspruchte alle vier Anschläge für sich. Die Angriffe liefen schneller und ge- +
-waltsamer ab als zu jeder anderen Phase von Gewalttaten gegen Christen in +
-Ägyptens jüngerer Geschichte. +
-Gemäß der Menschenrechtsorganisation Egyptian Initiative for Personal Rights +
-(Ägyptische Initiative für persönliche Rechte) hat es seit dem 25. Januar 2011 in +
-Al-Minya 83 Vorfälle konfessionsbezogener Gewalt gegeben. Diese nehmen +
-landesweit zu, wobei eine Angriffswelle gegen Kirchen und Besitztümer von +
-Christen in dem Gouvernement in Folge der Räumung der Protestsitzblockade +
-auf dem Raba Al-Adawiya-Platz am 14. August 2013 noch nicht mitgezählt ist. +
-Vgl. Human Rights Watch, Auskunft an das VG Düsseldorf vom 31. Mai 2017. +
-Dıe koptisch-orthodoxe Kirche fühıt aus: +
-Die Christenverfolgung in Ägypten reicht von Bedrohung, Einschüchterung und +
-Nötigung, Veıtreibung und Plünderung über tätliche Angriffe, sexuelle Übergriffe +
-und Mädchenentführungen bis hin zu Mord. So zeigt die Ermordung eines +
-Priesters im Osten des Landes, [der] Mord an einer Nonne und [das] Köpfen ei- +
-nes Apothekers im Norden des Landes, ganz zu schweigen von den alltägli- +
-chen Übergriffen im Süden, dass Ägypten heute kein sicheres Land für Christen +
-mehr ist. Den staatlichen Stellen ist eine Aufl<lärung der Straftaten kaum mög- +
- +
- +
- +
-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 20/26 +
-16 +
-lich oder gewollt, da viele Schlüsselpositionen von Moslembrüdern und Salafis- +
-ten bekleidet werden und Zeugen aus Angst schweigen. Außerdem berufen +
-sich die Verantwortlichen auf die Scharia, die besagt, dass ein Moslem nicht +
-wegen eines Christen bestraft werden darf. +
-Vgl. St. Markus Koptisch Orthodoxe Kirche Frankfurt e.V., Auskunft an das VG Düsseldorf vom +
-30. Dezember 2016. +
-Es drängt sich nach diesen Erkenntnissen geradezu auf, dass der ägyptische Staat auch +
-heute nicht willens oder in der Lage ist, die Christen in Ägypten zu schützen. An dieser +
-Einschätzung änden nichts, dass der ägyptische Präsident al-Sisi offiziell den Terror be- +
-kämpft, den Muslimbrüder, Salafisten und der IS gegen Christen verbreiten. Auch besuch- +
-te er im Januar 2017 das koptische Weihnachtsfest. Die Angst vor den Islamisten ist indes +
-so groß, dass sich die zuständigen Stellen weitestgehend herauszuhalten versuchen. +
-Vgl. Auskunft der St. Markus Koptisch Orthodoxe Kirche Frankfurt e.V. an das VG Düsseldorf vom +
-30. Dezember 2016. +
-Sicherheitskräfte griffen in der Vergangenheit kaum zum Schutz der Christen ein, als kop- +
-tische Kirchen attackien und Christen ermordet wurden. +
-Vgl. Auswärtiges Amt, Bericht über die asyl- und abschieberelevante Lage in Ägypten vom +
-14April 2018 (Stand: März 2018), Seite 7. +
-Bei dem Anschlag vom 11. Dezember 2016 auf die an die Markus-Kathedrale angrenzen- +
-de Kapelle Sankt Peter und Paul auf dem Gelände des Sitzes des koptischen Papstes +
-Tawadros ll. in Kairo konnte ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz „islamischer Staat“ +
-trotz Bewachung durch staatliche Sicherheitskräfte ungehindeıt in den Gottesdienst ge- +
-langen und dort 24 Menschen ermorden und 49 weitere verletzen. +
-Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 18. Dezember 2016: Kopten in Angst, abrufbar unter +
-mp://www.sueddeutsche.de/oolltiklaeoypten-kobten-in-andst-1.3299791. +
-Am 9. April 2017 wurden zwei Bombenanschläge auf Gottesdienste von Kopten zur Feier +
-des Beginns der Karwoche mit mehr als 40 Toten und Dutzenden Verletzten verübt. Bei +
-einer Explosion in der Kirche St. Georg in der nordägyptischen Stadt Tanta starben min- +
-destens 27 Menschen. Nur Stunden später detonierte an der St. Markus-Kathedrale in der +
-Hafenstadt Alexandria ebenfalls ein Sprengsatz, der 17 Menschen das Leben kostete. +
-Insgesamt wurden etwa 120 Menschen verletzt. +
-Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - lnformationszentrum Asyl und Migration, Briefing No- +
-tes vom 10. April 2017; Süddeutsche Zeitung vom 10. April 2017: Ägyptens Präsident kündigt Aus- +
-nahmezustand an, abrufbar unter mp://www.sueddeutsche,de/politik/aeqyptens-braesident-kuendiog +
-nach-anschlaecıen-ausnahmezustand-an-16458683+
- +
- +
- +
-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf 21/26 +
-17 +
-Am 18. April 2017 kam es vor dem griechisch-orthodoxen Katharinenkloster im Süden der +
-Sinai-Halbinsel zu einem Schusswechsel. +
-Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - lnformationszentrum Asyl und Migration, Briefing No- +
-tes vom 24. April 2017. +
-Am 26. Mai 2017 wurde ein Bus mit koptischen Christen angegriffen, die auf dem Weg +
-zum St.-Samuel-Kloster im Gouvernement Al-Minya rund 220 Kilometer südlich der +
-Hauptstadt Kairo Waren. Es Wurden mindestens 29 Menschen getötet. Es gab zudem Dut- +
-zende Verletzte. +
-Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 26. Mai 2017: Mindestens 29 Tote bei Angriff auf koptische Christen in +
-Ägypten, abrufbar unter Mb://wwwsueddeutsche.de/oolitik/eil-mindestens-tote-bei-anoriff-auf- +
-Qptische-christen-in-aeovpten-1.3522326?source=rss; Tagesschau vom 26. Mai 2017: Schüsse in +
-ÄgyptenMindestens 26 Kopten ermordet, abrufbar unter https1//www.tagesschau.delauslandlkopten- +
-aegypten-101.html. +
-Am 13. Oktober 2017 wurde in Kairo ein koptisch-oıthodoxer Priester bei einem Messer- +
-rangriff getötet und ein weiterer schwer verletzt. +
-mps://wvl/w.domraclio.delthemen/christenverfoldunü/2017-10-13/koptischer›Driester-kairo-ermordet. +
-Am 29. Dezember 2017 Wurden bei einem Angriff auf eine koptische Kirche in der Stadt +
-Helwan mindestens neun Menschen getötet. +
-Vgl. Die Welt vom 29. Dezember 2017: Mehrere Tote bei Angriff auf Kirche nahe Kairo, abrufbar unter +
-mps://vl/vl/w.v\/elt.de/politik/ausland/articlel72009907/Aegypten-Mehrere-Tote-bei-Andriff-auf-Kirche- +
-nahe-Kairohtml; Tagesschau.de vom 29. Dezember 2017: Angriff auf Kopten - „Gott sei Dank war +
-das Tor geschlossen“, abrufbar unter: https1//www.tagesschau.de/ausland/anschlag-kairo-111.html. +
-Am 2. November 2018 wurde ein Anschlag auf einen Reisebus mit koptischen Pilgern ver- +
-übt, bei dem mindestens sieben Personen getötet und 14 Weitere verletzt wurden. +
-Vgl. Tagesschaude vom 2, November 2018: Angriff auf Koptische Pilger, abrufbar unter: +
-mps://wwwtacıesschau.de/ausland/kobten-aec1vpten-107.html. +
-Den Klägern steht auch keine innerstaatliche Fluchtalternative im Sinne von § 3e AsylG in +
-Ägypten zur Verfügung. Nach dieser Vorschrift wird die Flüchtlingseigensohaft einem Aus- +
-länder nicht zuerkannt, wenn er in einem Teil seines Landes keine begründete Furcht vor +
-Verfolgung oder Zugang zu Schutz vor Verfolgung nach § 3d AsylG hat und sicher und +
-legal in diesen Landesteil reisen kann, doit aufgenommen wird und vernünftigen/veise er- +
-waıtet werden kann, dass er sich doit niederlässt. Diese Voraussetzungen sind vorliegend +
-nicht gegeben. +
-Es gibt zur Überzeugung des Gerichts keinen Landesteil in Ägypten, in dem nach dem +
-anzuwendenden Maßstab der beachtlichen Wahrscheinlichkeit die tatsächliche Vermutung +
- +
- +
- +
-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 22/26 +
-18 +
-dafür, dass sich frühere Handlungen und Bedrohungen bei einer Rückkehr in das Her- +
-kunftsland wiederholen werden, widerlegt ist. +
-Vgl. VG Düsseldorf, Urteil vom 3. Juli 2017 - 12 K 463/16.A -; VG Minden, Urteil vom 13. März 2018 +
-- 10 K955/16.A-, juris. +
-Zwar leben koptisch-orthodoxe Christen in allen Landesteilen Ägyptens. Sie sind jedoch in +
-Oberägypten sowie einigen Stadtteilen von Kairo und Alexandria überdurchschnittlich ver- +
-treten. +
-Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - Informationszentrum Asyl und Migration: Ägypten: Die +
-Koptisch-Orthodoxe Kirche, September 2012, Seite 3. +
-Koptisch-oıthodoxe Christen können grundsätzlich ihren Wohnon innerhalb Ägyptens +
-wechseln. Ob ein Wohnortwechsel die Aussicht auf Freiheit von Gewaltakten und lnhaftie- +
-rungen bietet, ist jedoch stark einzelfallabhängig. +
-Vgl. Auswärtiges Amt, Auskunft an das VG Köln vom 29. Mai 2017. +
-ln Stadtgebieten ist zwar die Wahrscheinlichkeit, dass Auseinandersetzungen zwischen +
-den Konfessionen ausbrechen, niedriger, und Christen sind im Allgemeinen frei in der +
-Ausübung ihres Glaubens, auch wenn in vielen Gemeinden die Gottesdienste in inoffiziel- +
-len Kirchen stattfinden, welche in Wohnhäusern oder Gebäuden, die jederzeit von den +
-Behörden geschlossen werden könnten, untergebracht sind. Jedoch fanden gerade in +
-Kairo, Alexandria und anderen Städten seit 2011 schwerwiegende Angriffe gegen Kirchen +
-oder Häuser von Christen statt. Die Behörden haben sich als außerstande enıviesen, +
-Christen in Kairo, Alexandria und in anderen Onen vor schweren Angriffen durch über- +
-zeugte Extremistengruppen zu schützen. +
-Vgl. Human Rights Watch, Auskunft an das VG Düsseldorf vom 31. Mai 2017, +
-ln den ländlichen Gebieten Oberägyptens kommt es immer wieder zu gewalttätigen Aus- +
-einandersetzungen und regelmäßig zu strukturellen Benachteiligungen der Christen. +
-Vgl. Auswärtiges Amt, Bericht über die asyl- und abschieberelevante Lage in Ägypten vom +
-14. April 2018, Seite 8, Auskunft an das VG Köln vom 29. Mai 2017. +
-Konfessionsbezogene Konflikte ereignen sich häufiger in Ober- und Mittelägypten, beson- +
-ders in den Gouvernements Al-Minya, Al-Fayyüm and Bani Suwaif. +
-Vgl. Human Rights Watch, Auskunft an das VG Düsseldorf vom 31. Mai 2017, +
-ln ländlicheren Gebieten, besonders in Al-Minya und anderen Gouvernements in Mittel- +
-und Oberägypten haben sich die Sicherheitskrälte als außerstande enNiesen, Kirchen und +
-Eigentum von Christen vor regelmäßigen konfessionsbedingten Angriffen zu schützen. ln +
- +
- +
- +
-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 23/26 +
-19 +
-den traditionellen Räten, einer staatlich geförderten traditionellen Aıt der Streitbeilegung, +
-welche weiterhin das gerichtliche Strafverfahren fast aller konfessionsbezogenen Vorfälle +
-ersetzt und häufig zur Zerstörung der Häuser von Christen und Zwangsräumung christli- +
-cher Familien fühıt, hat keine Entwicklung stattgefunden. An diesem Prozess sind übli- +
-cherweise Sicherheitsbeamte und religiöse Prediger mitbeteiligt; Aggressoren werden üb- +
-lichen/veise nicht ihren Taten, zu denen auch vorsätzliche Tötung gehöıt, entsprechend +
-bestraft. Diese Versöhnungsräte haben sich im Laufe der Zeit zu einem semi-dauerhaften +
-Parallel-Gerichtssystem entwickelt. Ein Bericht über Versöhnungsverfahren der „Egyptian +
-Initiative for Personal Rights“ (Ägyptische Initiative für persönliche Rechte) aus Juni 2015 +
-dokumentiert sechs dieser Versöhnungen seit Anfang des Jahres und kam zu dem +
-Schluss, dass es an deren Einsatz keine Veränderungen seitens der Regierung gab. Die- +
-sem Bericht zufolge hatten Sicherheits- und Militärbeamte manchmal Vereinbarungen mit +
-salafistischen Persönlichkeiten getroffen, um ihre Anhänger dazu zu bewegen, als Gegen- +
-leistung für strafrechtliche Nichtverfolgung die Gewalt einzustellen. Das Muster, dass man +
-nicht zur Rechenschaft gezogen wird, und die Fortsetzung der Traditionen der Gemeinde- +
-räte haben eine Stimmung der Konfessionsbezogenheit und eine Zunahme der Angriffe +
-mit Straffreiheit der Täter gefördert. +
-Vgl. Human Rights Watch, Auskunft an das VG Düsseldorf vom 31. Mai 2017. +
-Insbesondere die Tatsache, dass in Fällen sektiererischer Gewalt teils nur zögerlich von +
-Polizei und Feuerwehren vor Ort eingegriffen wird und traditionelle Streitschlichtungsme- +
-chanismen anstatt strafrechtlicher Verfolgung greifen, enNeckt zum Teil den Anschein poli- +
-tischer Legitimation. +
-Vgl. Auswärtiges Amt, Auskunft an das VG Dusseldorf vom 20. Januar 2017, Seite 2. +
-Andere Landesteile kommen aufgrund ihrer (fast) rein muslimisch geprägten Bevölkerung +
-für eine Rückkehr koptisch-oıthodoxer Christen ohnehin nicht in Betracht. Es würde der +
-dortigen muslimischen Bevölkerung sofort auffallen, dass sich die Kläger nicht entspre- +
-chend muslimischen Glaubens- und Verhaltensvorschriften verhalten, etwa Teilnahme am +
-Freitagsgebet, die fehlende Verschleierung der Frauen oder die Einhaltung des Ramadan. +
-Es kommt hinzu, dass die Kläger aufgrund ihrer christlichen Namen unmittelbar als Chris- +
-ten erkennbar wären. Nicht zuletzt wäre es den Klägern dort mangels christlicher Gemein- +
-den nicht möglich, ihre religiöse Identität zu wahren. Eine ungehinderte Religionsaus- +
-übung zur Wahrung der religiösen Identität kommt dort von vornherein nicht in Betracht. +
-Vgl. hierzu BVerwG, Urteil vom 20. Februar 2013 - 10 C 23/12 -, juris, Rn. 30 ff., VG Düsseldorf, Urteil +
-vom 3. Juli 2017 - 12 K 463/16.A -; VG Minden, Urteil vom 13. Marz 2018 - 10 K 955/16.A -, juris. +
-Es kommt hinzu, dass am Oıt einer inländischen Fluchtalternative das wirtschaftliche Exis- +
-tenzminimum gesichert sein muss. Nach den vom Bundesven/valtungsgericht entwickelten +
-Grundsätzen bietet ein verfolgungssicherer Ort erwerbsfähigen Personen das wiıtschaftli- +
-che Existenzminimum in aller Regel dann, wenn sie dort, sei es durch eigene, notfalls +
-auch wenig attraktive und ihrer Vorbildung nicht entsprechende Arbeit, die grundsätzlich +
- +
- +
- +
-31 0? 2019-14:45 0211 B891 4000 VG Duesseldorf S 24/26 +
-20 +
-zumutbar ist, oder durch Zuwendungen von dritter Seite jedenfalls nach Überwindung von +
-Anfangsschwierigkeiten das zu ihrem Lebensunterhalt unbedingt Notwendige erlangen +
-können. +
-Vgl. BVerwG, Urteil vom 1. Februar 2007 - 1 C 24/06 -, juris, Rn. 11 f. +
-Hiervon ausgehend bestehen durchgreifende Zweifel, dass die Kläger ihr wirtschaftliches +
-Existenzminimum bei einer Rückkehr nach Ägypten sichern könnten. Die wirtschaftliche +
-Situation in Ägypten hat sich mit steigender Inflation und durch Subventionsabbau in den +
-letzten Jahren massiv verschlechteıt. Bei einer Rückkehr spielen deshalb familiäre Netz- +
-werke und die Venıvurzelung vor Ort im Hinblick auf die soziale Absicherung eine große +
-Rolle. +
-Vgl. Auswärtiges Amt, Auskunft an das VG Düsseldorf vom 20. Januar 2017. +
-Ill. Unabhängig von bereits erlittener Von/erfolgung und selbständig tragend haben die +
-Kläger einen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäß §3Abs. 4 +
-i.V.m. Abs. 1 AsylG, weil sie sich aus begründeter Furcht vor Verfolgung durch die musli- +
-mische Mehrheitsbevölkerung wegen ihres christlichen Bekenntnisses zur koptisch- +
-oıthodoxen Religion außerhalb ihres Herkunfislandes befinden, dessen Schutz sie nicht in +
-Anspruch nehmen können oder wegen dieser Furcht nicht in Anspruch nehmen wollen. +
-Den Klägern als koptisch-orthodoxen Christen, die es nach ihrem christlichen Glaubens- +
-Verständnis für sich als identitätsbestimmend ansehen, ihren Glauben der Tradition gemäß +
-in christlichen Gemeinden zu leben, drohen bei einer Rückkehr nach Ägypten nach dem +
-anzuwendenden Maßstab der beachtlichen Wahrscheinlichkeit Verfolgungsmaßnahmen +
-durch die muslimische Mehrheitsbevölkerung. +
-Vgl. hierzu BVerwG, Urteil vom 20. Februar 2013 - 10 G 23/12 -, juris, Rn. 32; VG Düsseldorf, Urteil +
-vom 3. Juli 2017, - 12 K 463/16.A -, juris; VG Minden, Urteil vom 13. März 2018 - 10 K 955/16.A -, ju- +
-l'lS, +
-Dies ergibt sich aus den ausführlich dargestellten Erkenntnissen hinsichtlich der stark zu- +
-nehmenden Zahl von schweren Anschlägen auf koptische Kirchen und gewalttätigen +
-Übergriffen auf Kopten. Staatlicher Schutz ist nach den oben ausführlich dargestellten Er- +
-kenntnissen nicht oder jedenfalls nicht in dem erforderlichen Umfang zu erlangen. Dabei +
-verkennt das Gericht nicht, dass ein vollständiger Schutz insbesondere etwa gegen terro- +
-ristische Angriffe nicht gewährleistet werden kann. Es drängt sich nach der oben darge- +
-stellten Erkenntnislage jedoch geradezu auf, dass der ägyptische Staat nicht willens oder +
-in der Lage ist, die Christen in Ägypten hinreichend zu schützen. Die ägyptischen Sicher- +
-heitskräfte griffen in der Vergangenheit selbst dann nicht zum Schutz der Christen ein, als +
-koptische Kirchen angegriffen und Christen ermordet wurden.+
  
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aegypten.txt · Zuletzt geändert: 2020/07/07 13:53 von marcel