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Atteste

Dieser Abschnitt soll Ärzt:innen und Therapeut:innen eine Hilfestellung beim Verfassen von Attesten zur Verwendung in asyl- und aufenthaltsrechtlichen Verfahren bieten. Dazu liste ich hier einige Fragen auf, deren Beantwortung Gerichte durch die Vorlage von Attesten erfahrungsgemäß üblicherweise erwarten. Freilich ist der Katalog weder abschließend noch verbindlich; im Einzelfall ist es immer möglich, dass noch einige andere Fragen gestellt werden oder auf manche hier gelistete Fragen keine Antwort erwartet wird.
Für einige Krankheitsbilder gehen die Anforderungen noch wesentlich über die hier skizzierten Fragestellungen hinaus; dies betrifft insbesondere psychische Krankheiten und hier wiederum insbesondere die PTBS. Vgl. hierzu die Links am Ende der Seite.
  • Welche Erkrankungen liegen vor (Diagnose; mit ICD-Klassifizierung)?
  • Auf welchen tatsächlichen Grundlagen, d.h. auf welcher Untersuchungsbasis hin ist diese Erkrankung diagnostiziert worden? Werden die geschilderten Beschwerden durch die erhobenen Befunde bestätigt?
  • Welchen Schweregrad hat die Erkrankung bzw. welche Symptome bestehen?
  • Was sind die langfristigen Folgen der Erkrankung?
  • Seit wann und wie häufig ist die:der Betroffene in Behandlung?
  • Welche Behandlung ist erforderlich (und nicht nur wünschenswert)?
  • Welche Medikamente müssen mit welcher Dosierung eingenommen werden?
  • Können auch ähnliche Präparate mit vergleichbaren Wirksubstanzen eingenommen werden und wenn nein, warum nicht?
  • Welche Folgen sind zu erwarten, wenn die:der Betroffene die Therapie abbricht bzw. unzureichend fortführt?
  • In welchem Zeitraum ist mit dem Eintritt dieser Folgen zu rechnen?
  • Wie wahrscheinlich ist der Eintritt dieser Folgen?
  • Ist in absehbarer Zeit mit einer Heilung zu rechnen? Wenn ja, wann? Wenn nein, warum nicht?
Auf die Frage der Reisefähigkeit kommt es in Asylverfahren (Ausnahme: Dublin-Verfahren) nicht maßgeblich an, so dass entsprechende Ausführungen in Attesten, die für Asylverfahren bestimmt sind, in der Regel entbehrlich sind. Wichtig sind entsprechende Ausführungen hingegen zur Vorlage bei der Ausländerbehörde insbesondere, wenn die ernsthafte Gefahr einer Abschiebung besteht.
  • Ist die:der Betroffene reisefähig?
  • Wenn nicht: Warum nicht, bzw., welche Konsequenzen wären im Falle eines Versuchs einer Abschiebung zu erwarten?
  • Betrifft die Reiseunfähigkeit nur bestimmte Verkehrsmittel (bspw. Flugzeug), oder ist eine Abschiebung insgesamt unmöglich? (Begründen!)
  • Kann den gesundheitlichen Gefahren durch die Abschiebung wirksam begegnet werden, indem vorbeugende Maßnahme ergriffen werden, wie beispielsweise eine ärztliche Begleitung der Abschiebung? (Begründen!)

Bei Angaben zu Behandlungsmöglichkeiten im Herkunftsland ist Zurückhaltung geboten. Die:der Ärzt:in/Therapeut:in wird sich insoweit möglicherweise die Frage stellen lassen müssen, woher sie:er die Kenntnisse des jeweiligen Gesundheitssystems dieses Landes kennt.

Da wo tatsächlich entsprechende Kenntnisse vorhanden sind, etwa aufgrund Recherche oder entsprechenden Aufenthalts in diesem Land, spricht freilich nichts dagegen, diese Kenntnisse auch zu verwerten. Allerdings sollten dann die entsprechenden Quellen auch angegeben werden, damit die Angaben nachvollziehbar sind. Ansonsten entstehen im schlimmsten Falle Zweifel an der Seriosität des gesamten Attestes!

Siehe auch:

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  • atteste.txt
  • Zuletzt geändert: 2019/04/09 08:12
  • von marcel